Die Welt verändert sich so schnell – wie soll man da Schritt halten? Dies wird vor allem dann zur Herausforderung, wenn du eine führende Rolle innehast. Denn, als ob die Veränderungen nicht anstrengend genug wären: als Führungskraft gilt es nicht nur die Veränderung selbst zu managen sondern auch die Menschen in die neue Zukunft führen. Und das erfordert Offenheit, Geduld und Disziplin.

Führen mit Veränderungen

Im Englischen gibt es ein Wort dafür: change management. Veränderungen managen. Dieser Begriff hat zwei entscheidende Dimensionen, die eine Führung abdecken sollte:

  • Offen sein für Veränderungen
  • Veränderung steuern / managen

Sei offen für Neues

Ich bin Chef. Ich weiss alles, kann alles und lasse mir nichts sagen. So extrem formuliert stimmst du mir bestimmt zu, dass das der falsche Ansatz ist. Aber wie viele Beispiele sehen wir, in denen aus übersteigertem Selbstbewusstsein Management-Fehler passieren und damit ganze Unternehmen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden?

Nokia, das Negativ-Beispiel

Auch wenn ich inzwischen total ver-Apple-d bin, war ich ein riesen Fan von Nokia Handys. Damals. Der Grundsatz von Nokia war: Wir besetzten jede Nische. Jede neue Form oder Funktionalität, die ein Wettbewerber auf den Markt brachte, konnte man bei Nokia ebenfalls bekommen. Sie waren unglaublich erfolgreich und konnten durch die immensen Produktionszahlen jeden Wettbewerber ohne Verluste aus dem Markt kicken, wenn sie wollten.
Dann kam die erste Fehlentscheidung. Motorola RAZR, das erste Klapphandy im Westen. Eine importierte Innovation aus Asien, wo fast jeder ein Klapphandy hatte. Was auch immer Nokia dazu angetrieben hat, aber die Entscheidung war: Wir, Nokia, bauen kein Klapphandy. Das will keiner. Das braucht keiner. Das wissen wir. Ab diesem Zeitpunkt, im Jahre 2003, ging es rapide abwärts. Und während Nokia sich mit sich selbst beschäftigte, erfolgte im Januar 2007 der Todesstoss mit dem ersten iPhone und damit dem Start in die Ära der Smartphones. Den Einstieg hatte Nokia bis dahin verpasst.

Das war jetzt doch ein längerer Ausflug in meine Techy-Welt, aber du siehst schon, wie dramatisch Sturheit sein kann. Sich gegenüber Neuem zu verschliessen kann tödlich sein.

Bleib offen für Neues und heisse Veränderungen willkommen

Nimm die Menschen mit in die Veränderung

Nicht jede Veränderung ist notwendig, wichtig oder sinnvoll. Zusätzliche und sinnlose Bürokratie, kann von einer starken Führung auch mal abgelehnt werden. Auch das zeigt Stärke. Wenn dein Kunde, dein Team und auch keine andere Abteilung im Unternehmen einen echten Vorteil von der neuen Excel-Liste hat: mach sie nicht. Mal im Ernst, sollen die dich rauswerfen, nur weil du eine XLS nicht ausgefüllt hast? Jetzt denkst du bestimmt, dass ich mir das hier zu einfach mache, denn es ist nicht einfach gegen neue Prozesse anzukämpfen. Stimmt. Aber denk immer daran: Zu jedem, der etwas will, braucht es einen der es mit sich machen lässt. Und jetzt schau dich doch um unter deinen Kollegen. Da gibt es immer einen, der einfach nichts mitmacht und mit allem durchkommt.

Sinnlose Veränderungen erkennen

Zeig Profil und mach nur das mit, was wirklich das Unternehmen voran bringt.

Lass die Mitarbeiter an der Veränderung teilhaben

Bei Veränderungen im Markt allerdings, ist es umso wichtiger, sich mit anderen auszutauschen. Jede Veränderung, Entwicklung oder Innovation wird besser und stabiler, wenn sie durch mehrere Köpfe gewandert ist.
Sprich mit deinen Mitarbeitern über die möglichen Veränderungen, hole deren Feedback und Meinungen ab, sammle Ideen aber auch Bedenken ein. Damit erreichst du zwei Dinge: Erstens, die Angst vor der Veränderung wird reduziert und die Menschen werden durch eigenes Nachdenken vorbereitet. Zweitens wird die Veränderung auf den Prüfstand gestellt und damit validiert.

Beantworte die Frage „Warum“

Wenn du dein Team zu einer Veränderung bewegen willst, darfst du eines nicht vergessen: niemand verändert sich gerne und warum sollte ich auch. Genau diese Frage solltest du am Anfang beantworten. Warum sollen wir uns verändern? Passt doch alles? Das gehört mit zur Führung. Du hast eine Vision, die Zahlen sind schlecht, der Markt will deine Produkte nicht mehr, Wettbewerber verdrängen dich, und so weiter. Also hast du einen Grund für die Veränderung. Von einem Aggregatzustand zu einem besseren.

Dein Grund für die Veränderung muss öffentlich bekannt sein.

Zusammenfassung

Erkenne wichtige Veränderungen in deinem Markt und nimmt deine Mitarbeiter mit. Lass sie teilhaben und die Veränderung mitgestalten. Wenn du dein Team frühzeitig einbindest, minderst du damit die spätere Ablehnungshaltung. Denn Veränderungen selbst, sind erstmal nichts, was wir Menschen biologisch willkommen heissen.

Warum? Weil Gewohnheiten zu pflegen wesentlich weniger anstrengend ist. Und neue Gewohnheiten zu schaffen, bedeutet: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Und nichts ist attraktiver und magnetischer als eine Vision oder eine bessere Zukunft – das Warum für die Veränderung.