Über andere zu lästern macht doch richtig Spass. Vor allem mit Verbündeten, die den Typ genauso doof finden. Dabei passieren auch zwei Dinge, die sich richtig toll anfühlen: Erstens, das Gefühl, besser zu sein oder es besser zu wissen und zweitens seinen Ärger oder Frust loswerden.

Meist aber regen wir uns nur über ein Verhalten bei anderen auf, das den eigentlichen Grund in uns selbst hat. Wir hätten gerne, was der hat oder wir könnten gerne, was der kann. Interessant auch, dass lästern in English „backbite“ = zurückbeißen heisst.

Was ist Lästern eigentlich?

Lästern ist nichts anderes, als schlecht formuliertes Feedback. Wenige von uns haben gelernt, wie man richtiges Feedback gibt. In der Schule war dies zumindest kein Unterrichtsfach. Also lästern wir, wie wir es von unseren Eltern gelernt haben.
Und wenn ich mich in der Eltern-Rolle befinde, fängt auch jeder urteilende Satz mit „du“ an.

  • Du machst das falsch!
  • Die hat mal wieder Klamotten an!

Ersetze das Substantiv durch „ICH“

Gleich zu lästern ist einfach. Wir rufen einfach unsere festgefahrenen Programme richtig/falsch ab und los gehts. Wenn du nur einen kurzen Moment innehälst und diese zwei Sätze mit „ich“ beginnst, ist der erste Schritt schon getan.

  • Ich würde das anders machen.
  • Ich könnte das nicht anziehen.

Schon alleine durch den Wechsel der Sicht von dem „du“ auf das „ich“ verändert sich die Aussage. Und der Effekt für die andere Person ist plötzlich keine verletzende Einbahnstraße mehr.

Frag dich doch mal warum

Abgesehen davon, dass es dich ÜBERHAUPT nichts angeht, was andere wie machen: frag dich doch mal warum. Warum macht der das so? Warum zieht die sich so an? Hast du dich das schon mal gefragt? Oder noch viel mutiger: hast du diese Person in dem Moment gefragt?
Es könnte durchaus sein, dass du etwas Neues lernst. Entweder über eine Sache oder über diese Person. Anstatt gleich zu urteilen (auch wenn du meinst, es besser zu wissen), frag doch mal neugierig nach, bevor du zu lästern anfängst.

Im Lästern verstecken sich Ratschläge

Jede Aussage über jemanden – auch wenn es lästern ist – beinhaltet auch immer eine Art Ratschlag. Ein guter Rat: gib keinen. Doch das ist unglaublich schwierig und verlangt so viel Selbstkontrolle. Jens Corssen weitet diese Aufgabe für uns noch aus und gibt uns folgende Tipps für den Umgang mit anderen:

  • Nichts einreden
  • Nichts ausreden
  • Keine ungefragten Ratschläge
  • Keine ungefragten Beurteilungen

Wenn du diese 4 Sätze jeden Tag mit dir trägst und darauf achtest, wie oft du diese Regeln brichst, dann wirst du erstaunt sein.

Alles hat einen Grund

Die Welt hält viele Überaschungen für uns bereit, wenn wir unseren urteilenden Zeigefinger auf die anderen einfahren und uns fragen: warum macht der das? Hinter allem steckt eine Absicht – ein Grund. Lass deiner Neugier Raum und versuche herauszufinden, was es ist.

Warum macht der das so? Warum trägt die genau die Klamotten?
Hast du dich das schon mal gefragt? Im ersten Schritt kannst du dich das selbst fragen und Erklärungen finden. Das zwingt Stummi aus seinem „Ich weiss es doch schon besser“-Modus und dein Gehirn fängt an kreativ, sachlich und konstruktiv zu arbeiten.

Der Empathie-Modus wird aktiviert und Dir werden viele Erklärungen einfallen – doch alle sind Annahmen. Jetzt kommt der mutigste Schritt: frag doch mal nach.

Fange an, mit Mut zu lästern

Lästern ist ja meist feige: mit jemandem über andere. Und der andere ist dabei nicht mal anwesend. Das ist sehr bequem, denn so kann ich sagen, was ich will, ohne Konsequenzen. Stell dir mal vor, die Person hört zufällig heimlich mit. Peinlich oder? Vermutlich hättest du das alles anders formuliert. Und genau das ist „richtig lästern“.

Rede über andere, als wären sie dabei.

Automatisch fängst Stummi an, die Sätze anders zu formulieren. Wir werden wohlwollender und toleranter. Selbst dem Verhalten gegenüber, das schwer positiv zu reden ist, wird eine gute Absicht unterstellt. Es geht auch nie um richtig oder falsch sondern um das Verstehen und die Toleranz.

Zusammenfassung

Ein guter Rat: gib keinen.

Denk immer daran: was du nicht willst, das man dir tut oder sagt, …

Uns wenn es dich dann doch zerreisst, weil deine Meinung raus muss, formulier sie richtig. Lästern ist zu einfach. Es ist nur ein Abladen eines eigenen Frusts, der sich angestaut hat. Auflösen können wir den nur, wenn wir uns mit der Person oder der Situation auseinandersetzen. Sachlich und emotionsfrei. Lass das Lästern mit einem „ich“ beginnen und hinterfrage, warum die Menschen sich so verhalten. Alles hat einen Grund und meist ist der sogar gut gemeint.

Die größte eigene Entwicklung erfahren wir, wenn wir den Mut finden, alles offen anzusprechen. Wenn wir dabei noch die Regeln einhalten, erzeugen wir keine Sackgassen mehr sondern öffnen den Horizont für mehr.