Hast du dich schon einmal in einer hitzigen Diskussion (Transaktion) verheddert, aus der es scheinbar keinen Ausweg gab? Die Gründe liegen oft an den unterschiedlichen Sichtweisen und Blickwinkeln der Beteiligten. Erschwerend dazu kommt die unterschiedliche Position der Gesprächspartner. Genau diese Grundeinstellung wird bestimmt durch den jeweiligen Ich-Zustand aus der Transaktionsanalyse (Erklärung Transaktionsanalyse).

Wie kann mir die Transaktionsanalyse helfen?

Die Transaktionsanalyse hilft dir, dein Bewusstsein für die Ich-Zustände zu entwickeln. Welche Einstellungen, Gefühle und Verhaltensmuster zeigst du in den jeweiligen Situationen? Nicht nur das: Du wirst auch zunehmend erkennen, welche Verhaltensweisen produktiv sind und welche unproduktiv.

Wir sind durch unser Egogramm (Egogramm Test) von bestimmten Ich-Zuständen dominiert. In diese fallen wir vor allem in Stress- oder Drucksituationen. Das heisst jedoch nicht, dass wir dem ausgeliefert sind. Mit dem Wissen darüber können wir unsere Interaktion mit anderen aktiv und bewusst gestalten.

Nicht nur das Bewusstsein wächst sondern auch die Selbständigkeit im Umgang mit anderen. Du wirst freier und autonomer im Entwickeln von alternativen Kommunikations- und Verhaltensweisen. Sobald du erkennst, in welchem Ich-Zustand du dich befindest, kannst du aktiv und bewusst agieren. Mit etwas Übung wird dir das Wechseln der Ich-Zustände immer leichter fallen.

 

Die Transaktion: Reiz und Reaktion

Wenn wir einem anderen Menschen begegnen, nimmt einer von beiden Kontakt auf (Was sagen Sie, nachdem Sie „Guten Tag“ gesagt haben? von Eric Berne). Dieser erste Schritt in der Kommunikation ist der Transaktions-Reiz. Ich adressiere mit meinem aktuellen Ich-Zustand und meiner Nachricht eine bestimmten Ich-Zustand meines Gegenübers. Reagiert diese Person auf meine Kommunikation, findet die Transaktions-Reaktion statt.

Ob diese Kommunikation erfolgreich ausgeht oder total missglückt, hängt davon ab, aus welchem Ich-Zustand die Beteiligten agieren. Wenn Reiz und Reaktion zusammen passen, spricht man von einer parallelen Transaktion. Kommt eine völlig unerwartete Reaktion auf den Reiz, dann finden wir uns in einer gekreuzten Transaktion wieder.

Ganz undurchsichtig wird es, wenn verdeckte Transaktionen ablaufen. Dabei wird aus zwei Ich-Zuständen heraus kommuniziert: das was gesagt wird und das was zusätzlich gemeint ist. Hier betreten wir die ganze Spielweise der Annahmen und Enttäuschungen.

Anhand der folgenden Beispiele kannst du erkennen, wie das Prinzip Reiz und Reaktion in einer erfolgreichen oder missglückten Kommunikation verlaufen kann.

Parallele Transaktionen sind positiv

Laufen Reiz und Reaktion parallel zueinander an, dann gibt es keine Missverständnisse. Jeder befindet sich in dem Ich-Zustand der komplementär zum Gegenüber ist. Der rote Pfeil stellt den Reiz des Senders dar und der schwarze Pfeil die Reaktion des Empfängers.

Das bedeutet jedoch, dass es auch negative Kommunikation geben kann. Das liegt aber dann am Inhalt und nicht an einer Störung der Kommunikation. Eine störungsfreie Kommunikation zwischen zwei Kind-Ich-Zuständen könnte folgende sein:
Sender „Du bist so doof!“ Empfänger: „Selber doof!“ (keine Störung – aber negativer Inhalt).

Beispiele für parallele Transaktionen

In Rot dargestellt ist der Reiz vom ausgehenden Ich-Zustand. Dieser soll einen bestimmten Ich-Zustand beim Gegenüber ansprechen. Verläuft die Transaktion parallel, antwortet genau dieser angesprochene Ich-Zustand (schwarz). Folglich besteht Einigkeit über die jeweilige Rolle und Kommunikationsprobleme sind nicht existent.

Gekreuzte Transaktionen erzeugen Spannung

Reagiert der Empfänger nicht aus dem adressierten Ich-Zustand, entsteht eine Spannung. Für den Sender kommt eine unerwartete Reaktion. Er fühlt sich dadurch miss- oder unverstanden. Die Antwort kann auch so unerwartet gekreuzt kommen, dass der Sender gekränkt oder verletzt ist.

In jedem Fall ist der reibungslose Fortgang der Kommunikation gestört. Je nach Schwere der Störung kann die gekreuzte Transaktion auch zum Ende der Kommunikation führen.

Beispiele für gekreuzte Transaktionen

Wenn ich als Sender erkenne, dass mein Empfänger die Transaktion kreuzt, führt ein weitere Beharren auf dem bisherigen Reiz nur zur Eskalation. Es ist offensichtlich, dass der Empfänger im Augenblick nicht aus dem adressierten Ich-Zustand heraus agieren kann.

Aktives Kreuzen zur Auflösung der Spannung

Nach dem ersten Kreuzen durch den Sender, gibt es 2 Möglichkeiten für einen positiven Ausgang der Transaktion: Ergeben oder konsequent aus dem Erwachsenen-Ich kreuzen.

1. Ich ergebe mich kommunikativ

Im diesem Fall würde ich mich in den vom Sender adressieren Ich-Zustand begeben. Aller Voraussicht nach, würde ich das Ziel meiner Kommunikation so nicht erreichen. Das könnte dann so aussehen:

Sender Erwachsenen-Ich: Weisst du, wo mein Geldbeutel ist?
> adressiert das Erwachsenen-Ich des Empfängers, möchte Information
Empfänger Eltern-Ich: Pass halt besser auf deine Sachen auf. Das kommt von deiner Unordnung!
> adressiert das angepasste Kind-Ich
Sender angepasstes Kind-Ich: Ja, du hast recht. Ich muss besser auf meine Sachen aufpassen und aufräumen.

Der Sender geht also in den adressierten Ich-Zustand und die Spannung wird aufgelöst. Das Ziel aber, den Geldbeutel zu finden, ist damit nicht erreicht.

2. Ich kreuze mit dem Erwachsenen-Ich

Unabhängig von der Ausgangssituation, kann ich die kommunikative Spannung durch Kreuzen auflösen. Dies funktioniert nur aus dem Erwachsenen-Ich heraus. Wichtig dabei ist, dass ich absolut konsequent vorgehe und meine Position im Erwachsenen-Ich mit keiner Silbe aufgebe.

Verboten sind Verteidigungen, Angriffe, Entschuldigungen, Witze oder sonstige emotionale Äusserungen. Die Auflösung funktioniert nur mit absoluter und neutraler Sachlichkeit. Und die ist nicht nur mit den Worten durchzuhalten sondern auch mit der ganzen Einstellung – also auch mit der nonverbalen Kommunikation (Beschreibung Ich-Zustände).

Diese Art der Kreuzung verlangt dir viel Willenskraft ab, denn du ignorierst die Angriffe des Gegenübers. Du lässt dich nicht emotional provozieren und bleibst in deiner ganzheitlichen Transaktion sachlich. Je nachdem wie emotional dein Gesprächspartner ist, kann es bis zur Auflösung unterschiedlich lange dauern.

Aber bombardiert mit dem Erwachsenen-Ich können andere Ich-Zustände nur sehr schwer durchgehalten werden.

Die Fallstricke der verdeckten Transaktion

Verdeckte Transaktion bergen das größte Risiko im sozialen und kommunikativen Umfeld. Hier benutzt der Sender nicht nur einen Ich-Zustand, um seine Botschaft zu übermitteln, sondern mehrere. Ich sage das eine – meine aber das andere. Es handelt sich also um zwei verschiedene Botschaften:

  • offene Botschaft: Sprache, Verhalten
  • verdeckte Botschaft: die Informationen zwischen den Zeilen

Diese verdeckte Botschaft enthält Auskünfte über die Einstellung, Motivation oder Beziehung der Gesprächspartner.

Enttäuschung vorprogrammiert

Ist der Empfänger nicht in der Lage die verdeckte Botschaft zu erkennen, führt dies zu großen Unstimmigkeiten. Es bleibt nicht aus, dass der Sender eine große Enttäuschung erfährt. Denn schließlich hatte er mit seiner verdeckten Transaktion eine Erwartungshaltung geknüpft.

Unausgesprochene Wünsche ergeben keinen Anspruch

Warum gibt es diese verdeckten Transaktionen überhaupt? Meist sind es Informationen oder Wünsche, die man nicht aussprechen möchte. Gründe dafür sind Schamgefühl oder Angst. Äussere ich meine Wünsche nicht, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch höher, dass ich enttäuscht werde.

Stell dir vor, ein Mann und eine Frau lernen sich kennen. Sie haben sich schon ein paarmal getroffen und waren schön essen. Er bringt sie nach Hause und fragt: „Darf ich noch auf einen Kaffee mit rein kommen?“. Du weisst, was ich meine? Wenn sie es wörtlich nimmt und ihn danach hinauskomplimentiert, könnte er enttäuscht sein.

Humor funktioniert prima mit verdeckter Transaktion. Ironie baut erfolgreich darauf auf.