Eine Gewohnheit ist ein gespeichertes Verhalten, über das wir nicht mehr nachdenken müssen. Gewohnheiten sind abgelegte Programme in unserem „alten“ Gehirnteil (Stummi), der uns mit Gefühlen und Instinkten unterbewusst steuert. Unser „neues“ Gehirn (Neocortex) ist unsere bewusste Steuerzentrale, von der  Willenskraft und Disziplin ausgehen.

Wie überschreiben wir  mit unserem bewussten Gehirn alte Programme von Stummi?

Wie arbeiten wir Gewohnheiten in unserem Gehirn ab und wie also können wir diese bewusst verändern?

Charles Duhigg beschreibt das in seinem Buch Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun sehr gut, wie Gewohnheiten funktionieren. Und Jeremy Dean geht einen Schritt weiter in seinem Buch Making habits, breaking habits (nur Englisch verfügbar), das detailliert beschreibt wie Gewohnheiten geschaffen und/oder gebrochen werden können.

Es gibt einige Ansätze und Ideen zur Änderung von Gewohnheiten, die ich Euch in Kurzform vorstellen möchte:

Sich selbst bewusst werden

Im Hier und Jetzt leben, auf sein Inneres hören, das Verlangen wahrnehmen und dann eine bewußte Entscheidung treffen. Gefühle zu erkennen und ihnen erlauben vorbei zu gehen, um dann Kontrolle zu übernehmen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Diese Methode schlägt vor, positive Gefühle mit dem neuen Verhalten zu verbinden und negative mit einer schlechten Gewohnheit. Erinnert mich an das Abrichten eines Hundes: wenn er das Stöckchen bringt, gibt es ein Leckerli und wenn er an den Schuhen knabbert einen Klaps auf den Po. Hier arbeiten wir also mit Belohnung und Bestrafung, um unsere Gewohnheiten in die gewünschte Richtung zu lenken.

Hypnose ändert unsere Einstellung zur Gewohnheit

Ich habe von einigen gehört, die es geschafft haben mit Hypnose das Rauchen aufzugeben. Bei dieser Methode wird die Einstellung zur Gewohnheit geändert.  Tatsächlich berichteten manche, dass sie sich danach vor Zigaretten geekelt hatten.

Neuro-Linguistisches Umprogrammieren

NLP basiert auf der Umprogrammierung mithilfe der 5 Sinne. Gewohnheiten werden geändert durch z.B. neue Bilder in deinem Gehirn oder dem Verändern des inneren Dialogs. In Kurzfassung: wir erdenken unser neues ICH mit allen Sinnen und damit reduzieren wir das Verlangen nach schlechten Gewohnheiten.

Wie wir wirklich Gewohnheiten (ab)schaffen und verändern

Die oben genannten Ansätze und Ideen sind wirklich alle gut, aber was Du brauchst, um eine Gewohnheit zu ändern, sind aus meiner Sicht folgende drei Dinge:

1. Du brauchst einen drängenden Grund etwas zu ändern

Stell Dir wirklich total lebhaft und echt vor, wie die neue Gewohnheit dein Leben verändert. Lass Bilder in deiner Vorstellung entstehen, wie du aussiehst oder was du schaffst nach einem Jahr, nach zwei Jahren, …
Du willst gesünder leben oder Gewicht abnehmen? Stell dir vor, wie du nach einem Jahr aussiehst, wie fit du dich fühlst, was du machst, wie dein Alltag aussieht.

Was auch immer deine Veränderung ist: wenn du nicht den dringenden Wunsch oder einen drängenden Grund hast, etwas zu ändern, wird es nicht funktionieren. Warum sollte es auch, wenn du es selbst nicht echt willst und richtig ernst nimmst.

2. Du brauchst eine pragmatische Strategie

Das ist der handwerkliche Teil, um eine Gewohnheit zu ändern. Jede Gewohnheit hat drei Dinge: den Auslöser, die Routine also das Verhalten selbst und die Belohnung. Alle Elemente konditionieren Dich und resultieren in der automatisierten Gewohnheit.

Ändere dein Umfeld!

Du isst gerne Kekse abends zum Fernsehen? Das darfst du weiterhin. Jetzt aber mit Messer und Gabel in der Küche. Oder geh direkt wieder fernsehen und bedien dich aus der Schale Obst neben dem Sessel. Ich habe für mich entschieden, die Versuchungen wo möglich zu eliminieren und Süssigkeiten z.B. oft gar nicht erst zu kaufen.

Es geht um den Plan, den Auslöser zu umgehen oder auszutricksen. Wenn du weisst, dass du nach einem Essen gerne etwas Süsses möchtest, iss einfach so viel mehr Gemüse davor, dass du richtig satt bist.

Schaffe einen neuen Musterablauf von Auslöser-Verhalten-Belohnung. Erkenne den Auslöser, eliminiere oder trickse ihn aus und belohne dein neues Verhalten. Die beste Belohnung ist das gute Gefühl stolz auf sich selbst zu sein – im Gegensatz zu dem schlechten Gefühl, wieder nachgegeben zu haben.

3. Identifizier dich mit deinem neuen ICH

Dieser 3. Schritt schließt den Kreis zu Punkt 1. Werde wirklich zu der neuen Person, die sich gesund ernährt oder regelmäßig Sport macht. Im Prinzip entscheidet dieser Punkt darüber, wie lange du durchhältst.

Selbstbewusst und stolz

Während es in Punkt 1 um den echten Willen zur Veränderung geht, entscheidet Punkt 3, ob du wirklich daran glaubst. Bist du überzeugt davon, dass du eine sportliche Person bist? Glaubst du daran, dass du Nichtraucher bist? Der Grund, warum wir oft nicht durchhalten ist, dass wir nicht an uns selbst glauben. In dem Fall hat es Stummi geschafft, uns zu überzeugen, dass wir es doch nicht dauerhaft schaffen. Damit wird der alten Gewohnheit neue Kraft gegeben.

Zusammenfassung

Mit Gewohnheiten zu brechen ist schwer – schließlich haben wir diese oft viele Jahre gepflegt. Wenn wir aber die drei Schritte zur Änderung einer Gewohnheit beherzigen, wird es uns jeden Tag leichter fallen, sie zu ändern.

  • Dringender Grund / echter Wille
  • Pragmatische Strategie – ein Plan
  • Identifikation & Glaube an das neue ICH

Um eine neue Gewohnheit zu schaffen, braucht es nicht weniger Disziplin. Nur gut, dass es bestimmte Schlüssel-Gewohnheiten gibt, die uns bei anderen schlechten Angewohnheiten helfen.

Lies dazu meinen Blog Wie lange dauert es eine neue Gewohnheit zu schaffen und durchzuhalten?