Erfolgreiche Gruppenarbeit zeichnet sich durch Vertrauen zueinander aus. Habe ich Vertrauen in die Gruppenmitglieder, bin ich entspannt, kreativ und offen für Kooperation. Wie also schaffe ich es, diese positive Gruppendynamik zu erzeugen?

Vertrau mir – und zwar sofort!

In jedem Unternehmen gibt es Projekte, für die ein Team installiert wird. Jetzt stell dir vor, du kommst in dieses Team. Keiner der anderen ist dir bekannt. Zumindest nicht näher. Wie soll das funktionieren, dass du diesen „Fremden“ vertraust? Vertrauen kannst du nicht einfach anknipsen. Es funktioniert auch nicht, wenn dir jemand sagt: „vertrau mir“.

Vertrauen ist etwas, das sich langsam aufbaut (Blog über Oxytocin). Und die Basis dafür ist, dass wir die Menschen kennenlernen. Wenn wir diese fremden Kollegen besser verstehen, baut sich Vertrauen automatisch auf. Das liegt daran, dass wir unsere Gegenüber dann besser einschätzen können.

Wie können wir den Aufbau der Vertrauensbasis beschleunigen?

Dafür haben Joseph Luft und Harry Ingham 1955 das Johary-Fenster entwickelt. Es ist ein Verfahren, das systematisch durch diesen gruppendynamischen Prozess führt. Das Modell hilft auch dabei, Selbst- und Fremdbild in Überdeckung zu bringen.

Das Johari-Fenster

Öffentliche Person

Alles, was ich und auch andere wissen. Das sind z.B. Aussehen, Umgangsformen, Verhalten und persönliche Eigenschaften. Jeder weiss, wie ich aussehe, dass ich Schwäbisch spreche und gerne lache. Also alles was ich sage und mache und damit andere von mir sehen oder wissen. Und wie groß dieses Fenster ist: bestimme nur ich alleine.

Privatperson

Alles, was ich weiß, aber andere nicht. Das sind Geheimnisse oder private Dinge und Eigenschaften, die anderen nicht über mich wissen. Was mag ich gerne, was mag ich nicht?  Bis ich das jemandem erzähle, ist das mein Geheimnis. Wann auch immer ich etwas von mir preisgebe, vergrößere ich den Bereich der Öffentlichen Person.

Blinder Fleck

Alles, was andere über mich wissen – ich aber nicht weiss. Das sind Signale oder Verhaltensweisen, denen ich mir selbst nicht bewusst bin. Körpersprache – also Gestik oder Mimik – die anderen sehen. Das ist der Anteil des Fremdbildes, den ich nicht sehen kann. Um diesen Teil kennen zu lernen, brauche ich Informationen von anderen.

Unbekannt

Das ist der Bereich, der weder mir noch anderen bekannt ist. Dieser Bereich wird in der Tiefenpsychologie „unbewußt“ genannt und kann z.B. durch Tiefen-Hypnose erreicht werden.

Öffentliche Person vergrößern beschleunigt Vertrauensbasis

Die Teamarbeit wird harmonischer, wenn wir einander vertrauen und einschätzen können. Missverständnisse werden reduzieren. Und genau das passiert, wenn du deine Öffentliche Person vergrößerst.

Dafür hast du zwei Stellhebel.

1. Was du von dir preis gibst

Und damit meine ich nicht, dass du deine innersten Geheimnisse offenbaren sollst. Deine Teamkollegen sollten nur ein Gefühl dafür bekommen, wie du tickst. Telefonierst du lieber oder bevorzugst du die E-Mail-Kommunikation? Kannst du bei einem 7:00 Uhr Meeting noch keine Leistung bringen, weil du ein Morgenmuffel bist? Sind dir die praktischen Aufgaben lieber oder liegt dir die theoretische Planung?

Solche Dinge sind gemeint, um Anteile von der Privatperson in die Öffentlichen Person zu schieben. Alles was hilft, zu verstehen, in welcher Umgebung jeder sein Bestes geben kann. Und damit werden Missverständnisse eliminiert. Jeder, der mich kennt, wundert sich nämlich kein Stück, wenn ich bei einem 7:00 Uhr Meeting nicht ansprechbar bin.

 

2. Feedback von anderen

Der Blinde Fleck kann nur mithilfe von anderen verkleinert werden, denn wir selbst erkennen ihn nicht. Jedes Feedback eröffnet dir die Chance, den Bereich des Blinden Flecks zu reduzieren. Dabei hast du zwei Möglichkeiten: du bist überrascht, es gefällt dir nicht und du änderst den Punkt. Oder: dich stört das Feedback nicht und erklärst, dass dies ein Bestandteil deiner Persönlichkeit ist.

Nehmen wir das 7:00 Uhr Meeting als Beispiel. Das Feedback eines Kollegen an mich (Morgenmuffel) wäre: „ich habe das Gefühl, dass du heute auffällig zurückhaltend warst“. Die erste Möglichkeit: ich gebe preis (Privatperson), dass ich vor 9:00 Uhr morgens nicht funktioniere. Infolge bitte ich darum, dass wir vor 9:00 Uhr doch keine Teammeetings ansetzen sollten. Es gibt aber noch die zweite Möglichkeit, dass mich diese Eigenart wirklich stört und ich etwas dagegen unternehme. Z.B. könnte ich um 5:00 Uhr aufstehen, laufen gehen und frisch geduscht und frisch in das 7:00 Uhr Meeting kommen.

Und so wäre das mit allen Dingen, die anderen an uns auffallen. Wir können sie ändern oder erklären uns anderen. Das verhindert Annahmen und vermeidet Missverständnisse.

Typischer Verlauf einer Gruppenarbeit

Zu Anfang ist der Öffentliche Bereich jedes Teammitglieds sehr klein. Wir kennen uns nicht und können einander nicht einschätzen.

Die Öffentliche Person wachsen lassen

Je mehr wir zusammen arbeiten, erfahren und erleben wir mehr über die anderen und sie über dich:

 

  • Was gefällt dir, was gefällt dir nicht
  • Wie tickst du, was ist dir wichtig
  • Werte, Ethik, was glaubst du

Feedback Prozess stärkt das Miteinander

Wenn wir die anderen so akzeptieren wie sie sind (ich bin o.k. – du bist o.k.), schaffen wir die Basis für Vertrauen. Und in dieser vertrauensvollen Umgebung wächst die Sicherheit und Bereitschaft für eine stabile Feedback-Kultur:

 

  • Über das Feedback von anderen, lerne ich mich besser kennen.
  • Welche verbale und nonverbale Wirkung oder Signale sende ich aus?
  • Selbstbild versus Fremdbild
  • Möglichkeit zur Eigenreflexion und Ansatzpunkte für Veränderung – wenn gewünscht.

Zusammenfassung

Anderen deine Privatperson zu zeigen und Feedback von anderen zu bekommen, führt du einer großen Öffentlichen Person. Damit ist die Grundlage für Vertrauen und bestmögliche Kooperation geschaffen.

Du bestimmst dabei, was andere von Dir erfahren und Feedback von anderen hilft dir Fremd- und Selbstbild in Deckung zu bringen. Feedback heisst keinesfalls, dass du dich ändern sollst sondern nur, dass dir bewusst gemacht wird, wie du wirkst. Wenn dir das gefällt: lass es. Es geht bei allem nur darum, dass du dich besser verstehst und andere dich ebenso.

Du nimmst nicht an einem Beliebtheitswettbewerb teil.