Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mach kein Problem daraus. Dieses Zitat stammt von Buddha, ca. 500 v. Chr. Und ist es nicht oft so, dass wir uns Probleme machen, wo gar keine sind? Dies geschieht meist, wenn Achtsamkeit fehlt.

In der Hektik des Alltags verliert sich oft der Blick für das Wesentliche. Vieles passiert zwischen Tür und Angel und am besten noch gleichzeitig. Multitasking ist allgegenwärtig – kaum etwas wird mit voller Konzentration gemacht. Das kleine Buch vom achtsamen Leben von Patrizia Collard gibt hier hilfreiche Gedankenanstöße für den Alltag.

Volkskrankheit #1 – Stress

Fühlst du dich manchmal gestresst? Eigentlich war Stress eine super Erfindung unserer Biologie, um zu überleben. Cortisol wird ausgeschüttet und wir haben einen Tag länger überlebt. Aber schau dir doch mal deine Probleme heute an: Bei welchem Problem ist dein Überleben gefährdet?

Ohne mich läuft nix

Wir denken so oft, dass wir nicht genug Zeit haben für alles Mögliche. Und dabei liegt das oft daran, dass wir denken, dass die Welt sich ohne uns nicht mehr dreht.

Wenn man nicht alles selbst macht!

Viele von uns geben ungern die Zügel aus der Hand. Der Grund: Kontrollverlust oder fehlendes Vertrauen in die Fähigkeit anderer. Aber hey: Überraschend viele Dinge im Leben laufen ganz wunderbar ohne unser Zutun. Versuch doch mal, hin und wieder die Kontrolle über etwas abzugeben. Nicht kleine Aufgaben – echte Verantwortung.

Jetzt und gleich und sofort

Druck machen wir uns meist nur selbst. Du willst ja total locker sein, aber du musst vorher noch ganz schnell diese eine Sache erledigen! Nur noch kurz die Welt retten, oder? Hör auf, so viel von dir zu erwarten. Es muss nicht alles SOFORT erledigt sein.

Wenn du es eilig hast: geh langsam.

Dieses Zitat aus Japan hat noch einen zweiten Teil: Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg. Völliger Quatsch? Nein. Je mehr du dir Zeit nimmst für eine Aufgabe, umso weniger Fehler passieren. Sowohl Multitasking als auch das ganze Gehetze führen oft zu fehlender Achtsamkeit. Schöne Synonyme dieses Wortes sind Aufmerksamkeit, Augenmerk, Genauigkeit, Gründlichkeit, Konzentration, Sorgfalt, Vorsicht und Wachsamkeit. Wenn diese Dinge fehlen, laufen wir Gefahr, dass Probleme wie ein Bumerang zu uns zurückfliegen.

Von der Achtsamkeit zur Gelassenheit

Ich habe in vielen Situationen versucht gelassen zu sein. Und je mehr ich versuchte gelassen zu sein, umso weniger hat es funktioniert.

Entspann dich doch mal!

Sag das doch mal jemandem und beobachte, wie gut das funktioniert. „Denk nicht an eine lila Kuh“. Achtsamkeit können wir allerdings einfach praktizieren. Und Gelassenheit ist eine der Konsequenzen davon.

Singletasking statt Multitasking

Multitasking stresst unser Gehirn und reisst unsere Aufmerksamkeit ständig von einer Sache zur nächsten. Das Resultat ist, dass du nicht mehr weisst, was du wie erledigt hast. Am Ende des Tages bist du völlig ausgelaugt.

Konzentriere dich voll auf EINE Sache.

Starte Singletasking mit allem, was du machst. Sei bei jeder Sache voll dabei und voll konzentriert. Überflüssig zu sagen, dass du auch die Ablenkung Smartphone eliminieren solltest.

Durch kleine Übungen kannst du dein Bewusstsein trainieren und wirst merken, dass deine Gelassenheit gestärkt wird.

Routinen neu erleben

Starte mit der Achtsamkeit bei deinen täglichen Routinen. Zum Beispiel: Zähneputzen. Putz dir deine Zähne, als wäre es das erste Mal. Versuche jedes Gefühl einzufangen, jede Bewegung. Oder beim Frühstück: Mach nichts anderes als das. Achte darauf wie sich jeder einzelne Bestandteil deines Müslis anfühlt und welchen Geschmack er hat.

Automatische Vorgänge wahrnehmen

Wann hast du zum letzten Mal darauf geachtet, wie oft du blinzelst? Passiert ja automatisch. Und das Atmen? Auch. Wäre schlecht, wenn nicht. Unser Körper atmet immer, um zu überleben – die Frage ist nur wie.

Wenn wir in uns gestresst fühlen, atmen wir flacher und nutzen nicht unser gesamtes Lungenvolumen. In Kombination mit einer gekrümmten Körperhaltung verstärken wir das Gefühl von Stress oder Panik.

Richte dich auf und achte auf jeden Atemzug.

Dies kannst du im Stehen oder Sitzen machen. Die richtige aufrechte Haltung erkennst du daran, wenn du in deinem Mittelpunkt ausgerichtet bist. Dadurch entspannst du deine Muskeln, die meist verkrampft versuchen dich ausserhalb der Mitte zu halten. Dann achte auf jeden Atemzug. Atme langsam und so tief wie möglich ein.

Dein eigener Film der Entschleunigung

Neben diesen grundsätzlichen Übungen, hilft eine Methode sehr gut in akuten Situationen. Du sitzt im Büro und dein Projekt wurde von deinem Chef soeben auf den Kopf gestellt. Alles neu und der ganze Aufwand von vorne. Oder du erlebst privat gerade eine Trennung oder regelmäßigen Streit.

Es gibt viele Situationen, die eine Eskalationsstufe erreichen, in denen wir uns spontan auf ein sehr hohes Stresslevel katapultiert fühlen.

Drück auf den Slow Motion Knopf

Schnecke-Slow-Motion

Wir denken oft, dass wir in diesen Stresssituationen sofort agieren müssen. Das jetzt ganz schnell machen oder im Gespräch sofort kontern. Müssen wir gar nicht. Im Gegenteil. Achtsamkeit bedeutet, die Situation in Slow Motion (Zeitlupe) zu betrachten. Nimm dir ein paar Minuten und beobachte nur, was passiert. Macht nichts und sag nichts. Du wirst merken, wie du damit plötzlich die Geschwindigkeit herausnehmen kannst.

Perspektive mit oder ohne dich

Wenn du dich in der Slow Motion befindest, kannst du zwei Beobachterpositionen einnehmen:

  • Der Zuschauer
  • Der Regisseur

Als Zuschauer beobachtest du die anderen und die Situation. Was passiert gerade. Geht es um eine Sache, kannst du diese Zuschauer-Übung verstärken, indem du deine Augen schließt.

Der Regisseur ist komplett außerhalb. Du schaust dir quasi die Situation inklusive dir selbst an. Von ganz weit weg. Dadurch nimmst du dich emotional aus dem Schlamassel heraus und bist in der Lage alles neutraler und sachlicher zu sehen.

Zusammenfassung

Wir neigen dazu, uns auf das Negative im Leben zu konzentrieren. Klar bei dem Stress und der chronischen Überlastung. Und oft stelle ich fest, dass ich mir vieles davon selbst erschaffen habe. Das Leben ist viel zu schön und kostbar, um mit Höchstgeschwindigkeit und Multitasking durchzurasen.

Drück auf Slow Motion und übe dich in Achtsamkeit.

Halt inne und beobachte für ein paar Minuten nur mal, was passiert. Mach nichts. Du kannst dabei die Kameraperspektive wählen, die du möchtest.

Nimm deine tägliche ToDo-Liste und schnapp dir nur zwei Punkte: einen streichst du komplett und den anderen gibst du voller Vertrauen jemand anderem.

Erinnere dich daran, wie gut es dir geht und was du alles Schönes in deinem Leben hast.