Was du heute kannst besorgen, reicht doch sicherlich noch morgen. Die Angewohnheit der Prokrastination (Aufschieberitis). Du sitzt vor dieser für dich wichtigen Aufgabe, doch plötzlich fällt dir auf, dass du eigentlich mal wieder die Fenster putzen solltest, dass dein Lieblings-Youtuber bestimmt ein neues Video hochgestellt hat oder ach ja: da liegt die Zeitung von heute, die du noch nicht angesehen hast.

Prokrastination ist eine total nervige und vor allem unproduktive Angewohnheit, die dich davon abhält, Prioritäten zu setzen und damit deine Ziele zu erreichen.

Prokrastination als Zeichen von Überforderung

Du hast heute unendlich viele Möglichkeiten, dich abzulenken. Die Freiheit und der Zugang zu Wissen ist durch das Internet explodiert. Und genau diese Unendlichkeit kann uns leicht überfordern. Es gibt so vieles, das sich zu wissen lohnt. Wir mögen uns nicht entschieden zwischen diesen unendlichen Möglichkeiten und tun am Ende: gar nichts.

Gelähmt bei der Arbeit

Früher gab es einen strikten Tagesplan, an den jeder sich strikt gehalten hat. Heute ist es deinem Chef doch egal, wann du was machst. Zuerst das Tagesgeschäft, deine E-Mails oder das neue Marketing-Konzept für diesen Event.

Diese neue Freiheit ist genial für all diejenigen, die das lieben und damit umgehen können. Doch umgehen bedeutet jetzt: Du machst dir deinen Tagesplan selbst und du bist auch verantwortlich dafür, dass er eingehalten wird.

Erstmal abwarten

Fühlst du auch oft eine Informationsunsicherheit? Könnte bei einer genaueren Google Suche nicht noch eine bessere Option oder Idee auftauchen? Und wenn du dann die Informationen hast, wie gehst du vor?

Diese unzähligen Handlungsoptionen lähmen und so entscheidet Stummi (unterbewusste Steuerzentrale), dass es erst mal am sichersten ist: abzuwarten und nichts zu machen. Die Folge ist Prokrastination. Wir haben ein chronisches schlechtes Gewissen, bekommen viel weniger gebacken, als wir könnten und das führt nicht nur zu Stress, sondern macht uns auch unglücklich.

Prokrastination bekämpfen mit Motivation

Ohne ein Ziel oder eine Vision kann Prokrastination nicht bekämpft werden und es entsteht keine Motivation. Denkst du, dass ein Profisportler auch nur eine Goldmedaille gewinnt, wenn er sich das nicht zum ureigensten Ziel gesetzt hätte? Während die einen auf dem Sofa hocken und die x-te Staffel von einer Serie anschauen, gehen andere raus, gewinnen Preise, Medaillen oder die Dankbarkeit ihrer Mitmenschen.

Motivation von aussen

Äußere Motivation funktioniert nach dem Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip und kann Wunder wirken bei Aufgaben, die wir gar nicht mögen. Das Finanzamt nutzt dieses Prinzip und bringt dich so dazu, dass du dich eben schon irgendwann darum kümmerst.

Auf Dauer fühlt sich äußere Motivation nicht positiv an.

Motivation von innen

Die Macht der Motivation steigt allerdings ins unendliche, wenn du die Methode der inneren Motivation wählst. Du bestimmst selbst, welche Ziele du erreichen möchtest. Diese Methode hat nur einen Haken: Wir tendieren dazu, uns viel zu hohe Ziele zu stecken und sind dann frustriert, wenn wir sie nicht erreichen.

Innere Motivation durch den Weg

Während wir bei einem Ziel die Linie oder das Ergebnis im Auge haben, setzt eine Vision mehr auf den Weg. Dir sollte der Weg also wichtiger sein als das Ergebnis. Das fällt unglaublich schwer, denn so sind wir erzogen: Benotungen in der Schule oder Preise im Sport. Befreie dich vom Ergebnis und konzentriere dich auf die einzelnen Schritte.

Freu dich daran, dass du gerade produktiv bist und an der Präsentation für morgen arbeitest. Freu dich an jeder Seite, die du produzierst und denk nicht an das Ergebnis „fertige & perfekte Präsentation“, denn die gibt es nicht. Dieses Ziel würde dazu führen, dass du doch noch diesen Punkt im Internet recherchierst und dann durch die Unendlichkeit der Möglichkeiten voll gestresst in Prokrastination verfällst.

Motivation braucht Sinn

Auch Unternehmen kämpfen gegen Prokrastination an – doch die meist verbreitete Methode sind Ziel und Druck. Zahlen, die es zu erreichen gibt und Konzentration auf das Ergebnis. Dieser permanente Druck führt zu Stress und gemixt mit Tätigkeiten, die wir oft nicht als sinnvoll begreifen, fallen wir noch weiter in das Loch der Unproduktivität.

Die Vision ist der erste Baustein

Schaffe dir deine eigene Vision. Formuliere sie so, dass sie sinnstiftend für dich ist und auch uneigennützige Elemente beinhaltet. Denn die Evolution hat dafür gesorgt, dass du dich gut fühlst, wenn du anderen Menschen hilfst.

Genau so eine Vision ist der Antrieb und auch Kompass deiner Motivation. Sie ist dein „Warum“ du jeden Tag aufstehst und voller Energie und Lust den Tag bestreitest. In vielen Situationen hilft sie dir, Entscheidungen zu treffen und zwar mit absoluter Klarheit.

Bausteine der Vision

Es gibt ein paar Kriterien, die du bei der Formulierung der Vision beachten solltest:

  1. Es geht um das Tun und nicht das Ziel
  2. Sie sollte auch für deine Mitmenschen nützlich sein
  3. Wenn möglich, versuche Beruf- und Privatleben zu vereinen

Und zum Schluss kannst du dir noch überlegen, wie du dich daran erinnern lässt. Ein Schmuckstück, dein Sperrbildschirm oder ein anderes Totem – Hauptsache, du wirst daran erinnert.

Produktivität macht glücklich

Prokrastination macht auf Dauer niemandem Spass und für Unternehmen kann dieser Effekt auch existenzielle Ausmaße annehmen. Natürlich löst die Formulierung einer Vision nicht alle Probleme dieses Phänomens, doch sie steht am Anfang. Ohne sie fehlt die Sinnhaftigkeit, die ein wichtiger Baustein für uns Menschen ist, Motivation zu finden.

Visionen für Unternehmen

Wenn wir also konkret die Formulierung einer Vision für Unternehmen betrachten, sind die ersten beiden Punkte entscheidend: Fokus auf das Tun in Kombination mit dem Nutzen für die Mitmenschen.

Damit das etwas griffiger wird, habe ich Beispiele für dich zusammen gesammelt:

UBER – Transportalternative zum Taxi

Personentransport so verlässlich wie fließendes Wasser: überall und für jeden.

Airbnb – Privatunterkünfte

Menschen auf der ganzen Welt im echten Leben miteinander verbinden, sodass du dich überall wie zu Hause fühlen kannst.

Warby Parker – Brillenhersteller

Eine Welt erschaffen, in der jeder klar sehen kann – stylisch und zu einem erschwinglichen Preis.

Visionen für sich selbst

Simon Sinek erschaffte mit seinem „Finde dein Warum“ einen neuen Blickwinkel auf die Sinnfrage im Leben und die Formulierung dessen in einer Vision.

Und seine Vision lautet:

Menschen zu inspirieren, das zu zun, was sie inspiriert, um so zusammen die Welt zu verändern.

Und ein letztes Beispiel einer persönlichen Vision – meine eigene:

Menschen begeistern, mit Spass die Welt zu vereinfachen.

Zusammenfassung

Keiner von uns fühlt sich gut, wenn er der Prokrastination verfällt. Unproduktiv zu sein oder seine Aufgaben nicht zu schaffen macht auf Dauer einfach unglücklich. Zu denken, dass man sich einfach dazu zwingen muss oder darauf wartet, dass der Zwang von aussen kommt (Finanzamt wegen der Steuererklärung), hält nicht an.

Du brauchst eine sinnstiftende Vision für dich selbst (für dein Unternehmen), das dir jeden Tag Richtung, Kompass und den Weg beschreibt. Keinesfalls darf diese Vision das Ziel beschreiben. Denn Ziele sind mit der richtigen Motivation nur noch ein Ergebnis.

Kennst du dein WARUM? Seine Vision zu finden ist nicht einfach und der Prozess ist auch nur schwer alleine zu schaffen. Dein Warum ist sichtbar für andere, darum kann dir ein Sparringspartner, der den Prozess kennt, helfen.