Wenn wir uns ärgern, lehnen wir den Gegenüber ab. Wir meinen, besser zu sein. Freundlicher, pünktlicher, schlauer oder einfach nur größer im übertragenden Sinne. Die Reaktion: wir sind beleidigt, enttäuscht oder gehen auf Angriff. Damit schaden wir nur einem: uns selbst. Ärger produziert Stresshormone und die versprühen wir auch noch in unserer Umwelt.

Kampf gegen die Welt

Es gibt zwei Typen von Menschen, die Ärger unterschiedlich handhaben: Während der Fluchttyp sich beleidigt zurück zieht und den Ärger in sich hineinfrisst, geht der Ärgertyp auf Konfrontation und greift andere an. Bin wohl eher der letztere – verstärkt durch meinen Drang, die Welt richtig zu stellen. Vergesse nur zu oft, dass das meine Weltansicht ist.

Grundsätzlich ist ja die Frage, gegen was ich da bin. Gegen das Leben? Das Leben kann gefallen oder missfallen. Wenn du mit Ärger auf das Leben reagierst, dann offensichtlich weil es dir missfällt.

Der Kampftyp

Als Kampftyp meckern und kämpfen wir gegen alles und suchen uns auch noch Verbündete. Ärgerlich, der gemeine Chef, der Angeber, die ungerechte Behandlung oder Verhalten, das uns nicht passt. Wir sind sauer, wenn es nicht so läuft, wie wir das gerne hätten. Und am Ende kämpfen wir doch nur gegen uns selbst. Denn was wir sehen und erleben, ist ein Spiegel unseres Selbst.

Dazu kommt noch, dass wir in einer Kinderwelt leben. Wir erwarten, dass die anderen das machen sollen, was ich will. Zuerst die Eltern, der Sozialstaat, unsere Freunde und auch unser Partner. Wenn wir uns also ärgern, fordern wir von der Welt, dass sie sich gefälligst nach unseren Vorstellungen zu verhalten hat.

Ändere DICH doch erst mal

So einfach daher gesagt und doch so schwierig. Nun, der erste Schritt ist das Erkennen: Sobald du deinen Ärger erkennst, kannst du daran arbeiten. Das Leben ist kein Schlachtfeld. Sei für das Leben und änder dich doch erst mal selbst, bevor du andere verbiegen möchtest. Abgesehen davon weisst du das vermutlich auch schon: du kannst niemanden ändern. Aber du hast alle Freiheiten, dich zu ändern. Im letzten Blog detaillierter beschrieben gilt:
  • Die Welt ist dein Spiegel
  • Übernimm Verantwortung
Thorvald Dethlefsen bringt es auf den Punkt:
Der Mensch braucht nur sich selbst verändern und die ganze Welt verändert sich mit ihm.

Ärger umdenken

Sobald du den Ärger über jemanden erkannt hast, fang nicht an darin zu baden. Vermeide Worte, die Ärger ausdrücken und lass dich nicht in die Opferrolle fallen. Sag stattdessen: “Das ist eine interessante Herausforderung“ oder “Das ist ja faszinierend“. Du wirst merken, dass sich deine Gedanken verändern – nur durch das veränderte Vokabular. Und deine Gedanken bestimmen, was du fühlst.

Stummi eine Aufgabe geben

Nutz doch deine stumme Steuerzentrale (Stummi) und gib deinem Unterbewusstsein eine sinnvolle Aufgabe. Wenn du „Ärger“ oder „Problem“ denkst, gibst du deinem Gehirn eine Aufgabe: Alles suchen, was zu diesem Begriff passt oder ihn bestätigt. Denkst du aber „ach wie interessant“ oder „faszinierend“, dann wird dein Gehirn dir dafür Beweise suchen.

Lass dich Coachen

Und zwar kostenlos! Jeder Mensch, dem wir begegnen ist entweder unser Freund oder unser Coach. Fang an Menschen als deine kostenlosen persönlichen Coaches anzusehen. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und fühle mich tendenziell getrieben. Wenn ich also auf ein Amt gehe (sorry, muss das Vorurteil über Beamten bemühen), dann fühle ich, dass der Takt dort ein anderer ist, als der, den ich in mir fühle. Es geht mir alles einen Tacken zu langsam. Obwohl ich Zeit habe, das ist der Witz daran. Wenn ich aber alle Menschen dort, die Institutionen an sich und auch für mich unsinnige Regeln als persönliches Coaching sehe, kann ich es leichter akzeptieren. Zumal jedes Coaching unserer Umwelt komplett kostenlos ist. Da bin ich dann doch Schwabe.

Mitleid statt selbst leiden

Wenn jemand gemein zu dir ist, dann will er dich leiden lassen. Bewusst, oder was ich ja glaube: unbewusst. Unterstelle nicht gleich eine böse Absicht sondern denk darüber nach, warum dein Gegenüber gemein ist. Nur Menschen, die selbst leiden, bereiten anderen Leid. Ausgeglichene Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl, machen das nicht. Erinnere dich bei der nächsten Gelegenheit daran und versuch Mitleid zu haben. Allemal besser als selbst zu leiden, oder?

Ärger auf der Arbeit

Buddha sagt: Du bist heute, was du gestern gedacht hast. Deine Gedanken und damit deine Erwartungen und Grenzen bestimmen, welche Gefühle du erleben wirst. Das ist eine Strategie aus dem Ärger-Management. Aber was, wenn dein Chef wirklich jeden Tag gemein zu dir ist?
Den kannst du dir ja nicht wegdenken.

Geh weg

Actio = Reactio. Es gibt Wechselwirkungen bei Menschen, die nicht so einfach wegzudenken sind. Diese Menschen triggern gleich so viele Ärgerpunkte bei dir, dass du einfach nicht dagegen halten kannst. Zumal die eigenen Denkprozesse zu ändern einfach lange dauert. Vielleicht willst du nicht so lange warten und so viel investieren. Also: wenn es wirklich so schlimm ist und du keine Möglichkeit mehr siehst, dann geh weg. Der mutige und auch aufwändigere Weg ist es, dich aus der Umgebung zu entfernen, die dich verletzt. Aber es gibt noch einen zweiten Weg.

Nimm’s mit Humor

ChecklisteDas Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung kann als Ärgerstrategie genutzt werden. Dein Chef beleidigt dich oder übergeht dich? Dann mach doch eine kleine Erwartungsliste für den nächsten Arbeitstag:
  • 1 übergehen
  • 2 x beleidigen
  • 5x kritisieren
Diese Checkliste kannst du dann, wenn es passiert einfach abhaken. Und zwar richtig abhaken. Dir wird es einfacher fallen, los zu lassen und das Verhalten zu akzeptieren – ohne ärgerlich zu werden. Der Effekt dieser Liste kann sogar helfen, das Ganze mit Humor zu nehmen: Dankeschön Chef, schon wieder ein Punkt auf der Liste abgehakt.

Ärger teilen ist nicht heilen

Es heisst zwar, geteiltes Leid ist halbes Leid, aber beim Ärger gilt das Gegenteil: Geteilter Ärger ist doppelter Ärger. Es ist bekannt, dass zufriedene Kunden 3-4 Menschen davon erzählen. Wenn sie aber unzufrieden sind, verbreiten sie es 10-15 mal. Wir verhalten uns gleich. In der Hoffnung, es würde uns helfen, verbreiten wir unseren Ärger. Es hilft aber keinem.

Immer wieder aufgewärmter Ärger vermehrt sich wie ein Virus und erhöht unseren Cortisol-Spiegel.

Widersteh dem Versuch deinen Ärger zu verbreiten und versuch stattdessen folgendes: Schreib einen Brief an die Person. So einen richtigen Hassbrief. (Überflüssig zu erwähnen, dass du den bitte nicht abschickst.) Schreiben löst grundsätzlichen negative Gefühle oder Gedanken auf, wenn du das täglich praktizierst. Schau mal bei Ärgermanagement und Schreib dich glücklich in 5 Tagen.

Nutze deinen Körper

Dein Denken bestimmt deine Körpersprache und umgekehrt. Das funktioniert für dein Selbstbewusstsein und um Ärger zu vertreiben. Füttere dein Gehirn mit positiven Befehlen und es wird positiv denken. Das geht ganz einfach indem du deine Sinne nutzt. Die sind sozusagen die Tastatur und Maus deines Gehirns.

Schau mal: schön

Erinnere dich visuell an schöne Erinnerungen. Ob das Fotos vom letzten Urlaub sind oder Kunst – egal. Was du eben gut und schön findest. Am besten funktionieren Bilder mit etwas Lebendem darauf: Tiere und/oder Menschen. Wir sind schließlich soziale Wesen.
Sobald  du diese Bilder ansiehst, wird sich Stummi an die Arbeit machen und all deine Erinnerungen an diesen Moment oder diese Menschen (Hund, Katze, Maus) hervorkramen. Das funktioniert auch gut mit Musik.
Nutze einfach die Sinne deiner Wahl, um Ärger zu vertreiben.
Das dauert ca. 1 Minute, bis du spürst, dass sich dein Gefühlszustand ändert. Davor bist du einfach nicht in der Stimmung, das zuzulassen. Und hey: lächle dabei. Das verstärkt das Gefühl der Entspannung.

Lächeln, Lachen, Prusten

Lächeltherapie: Ja, das Wort ist seltsam genug. Aber die biochemischen Vorgänge im Körper sind einfach überzeugend. Dir ist nicht nach lächeln? Tja, scheint offensichtlich genau der richtige Zeitpunkt zu sein. Ja, auch wenn dir nicht danach ist. Oder gerade dann. Dein Körper ist eine automatische Maschine. Lächeln macht glücklich. Einfach so. Nur durch die Betätigung der richtigen Muskeln.
Richtig lachen aktiviert über 100 Muskeln im Körper und schüttet jede Menge Glückshormone aus. Dabei werden gleichzeitig Stresshormone abgebaut und die Neuproduktion gehemmt.
Lachen ist sowas von gesund.
Beim starken Lachen mit vollem Körpereinsatz wirst du schon nach 10 Sekunden eine körperliche Auswirkung spüren. Wenn du ein dezentes Lächeln bevorzugst, dauert der Effekt ungefähr eine Minute.
Ich praktiziere das regelmäßig beim Autofahren. Da ich meist auf den letzten Drücker los fahre, bin ich tendenziell in Eile und etwas unter Druck. Und genau dann, stehen alle Ampeln gefühlt auf rot. Also wechsle ich immer wieder den Radiosender, bis ich ein Lied höre, das mir gefällt. Und wenn ich an eine rote Ampel fahre, dann zwinge ich mich zu lächeln. So richtig.
Sieht mich jemand dabei, dann lächle ich ihn an. Erstaunlich, was dann passiert:
  1. Der andere Autofahrer schüttelt den Kopf und fährt weiter. Na klar: wie kann man auch einfach grundlos lächeln! Das erinnert mich an Sandi Thom mit ihrem Album „Smile, it confuses people“
  2. Nach der anfänglichen Irritation, lächelt der andere verschämt in sich hinein. Auch süss.
  3. Oder das Gefühl überträgt sich und der andere lächelt offen zurück. Einfach so oder weil er denkt: Mist, ich glaub wir kennen uns.
Klammern wir mal den ersten Autofahrer aus. Allen anderen habe ich in dem Moment auch eine Dosis Glückshormone geschenkt. Die Welt kann nie zu viel davon bekommen: also lächle, lache und hab Spass!