Jeder von uns kennt die Menschen, mit denen wir immer gute Gespräche führen und die im small talk brillieren. Warum faszinieren uns diese Menschen? Was macht sie auf Anhieb so sympathisch? Gutes Reden beginnt mit gutem Zuhören. Genau das können viele von uns gar nicht mehr.

Einhaken und Unterbrechen

Achte doch selbst mal auf die Unterhaltungen, die du mit anderen führst. Einer beginnt eine Geschichte zu erzählen, ein anderer hakt ein. Ist ein Thema nicht interessant genug oder die Erzählung zu lange, wird unterbrochen.

Alles und zwar sofort

Wir sind es nicht mehr gewohnt, uns lange auf etwas zu konzentrieren oder zu warten. Wie lange habe ich früher auf Dinge gespart und war voller Vorfreude? Heute: ich will was, bestelle es heute bei amazon und es ist morgen da.

Das Gleiche mit dem Fernsehprogramm. Woche um Woche haben wir auf die nächste Folge des A-Team oder den Colt gewartet (bitte generationsbedingt adaptieren). Heute können wir die ganze Serie mit allen Staffeln an einem Wochenende auf Netflix ansehen. Kein Warten – alles und zwar sofort.

Und der größte Störenfried: Smartphones. Der digitale Lifestyle und der gesteigerte Medienkonsum fressen unseren Fokus auf. Wie du das merkst? Du bist auf Autopilot. Ich selbst habe mir eben überlegt, wann ich das letzte mal länger als 30 Minuten am Stück konzentriert an etwas gearbeitet habe. Ohne Unterbrechung. Mmmmhhh.

Aufmerksamkeitsspanne und Geduld

All das wirkt sich auf unsere Aufmerksamkeitsspanne aus. Und ja: wir haben in 2013 den Goldfisch übertrumpft (Attention Spans, Consumer Insights, Microsoft Canada).

Ganze 8 Sekunden können wir uns mit voller Aufmerksamkeit etwas widmen. Wow.

Warum länger aufpassen, konzentrieren, zuhören oder fokussieren, wenn doch hinter der nächsten Ecke ein neuer frischer Dopamin-Kick auf uns wartet? Nun, das ist auch weltweit sehr menschlich. Wir sind gebaut dafür, Gefahren in unserer Umwelt sofort zu erkennen oder eben alles was wichtig ist. Und das ist meist das, was sich bewegt. Früher war es der Säbelzahntiger – heute eben Videos. Diese Fähigkeit hat sich nicht verändert, sie ging nur online.

Sich interessant machen

Wie schaffst du es also, ein interessanter Gesprächspartner für jemanden zu sein, der sich maximal 8 Sekunden voll auf etwas konzentrieren kann? Vermutlich denkst du, dass wenn du nur total interessante Geschichten erzählen könntest oder richtig gut reden, dann wirst du interessant. Eher nicht.

Gut reden beginnt mit gut Zuhören

Warum denn verzweifelt nach Gesprächsthemen suchen? Lass dein Gegenüber reden. Alle Menschen wollen geliebt werden. Immer. Und eine Form der Liebe ist Aufmerksamkeit für den anderen.

Stelle offene Fragen und höre ECHT zu.

Offene Fragen können nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Es wird also eine längere Antwort folgen und dann gilt ZUHÖREN. Ganz einfach und doch so schwer. Versuch es aus und du wirst sehen, dass es unglaublicher Selbstbeherrschung bedarf, nur zuzuhören. Und das bitte mit voller Aufmerksamkeit. Keine Störung, kein Handy, keine Ablenkung. Nur zuhören.

Fragen und Zuhören

Jeder erzählt gerne von sich, seinen Ideen und Meinungen. Das ist die Steigerung der Aufmerksamkeit: Interesse zeigen am Leben und Wesen eines anderen Menschen. Es geht hier nicht um ausfragen, sondern um das echte Kennenlernen wollen deines Gesprächspartners. Genauso wirst du ein richtig gutes Gespräch führen und in jedem Small Talk brillieren – obwohl du eigentlich nur aktiv zuhörst.

Zusammenfassung

Gute Gespräche und gut reden bedeutet gut zuzuhören. Stelle deinen Gesprächspartner in den Mittelpunkt mit offenen Fragen und höre echt und aktiv zu. Wenn wir uns mitteilen können, fühlen wir uns wertgeschätzt.

Wenn du andere nicht unterbrichst und dir wirklich Zeit nimmst, wirst du automatisch zum beliebten Gesprächspartner. Ganz einfach.