Die Welt ist inzwischen so hektisch, dass wir kaum mehr zur Ruhe kommen. Überall ist jemand oder ein etwas, das unsere Aufmerksamkeit möchte. Und wenn wir dann mal 5 Minuten Zeit für eine Pause hätten, schnappen wir uns den nächsten Bildschirm.
Umso wichtiger ist es, sich Ruhephasen und Pausen zu gönnen. Wir benötigen das für Körper und Geist. Wenn wir nur Vollgas und Action haben, werden wir in beiden Bereichen schwächer oder es gibt sogar eines auf. Burnout oder nächtliches Herumwälzen und Einschlafprobleme sind nur ein paar Beispiele dafür.

Schneller, höher, weiter, mehr

Hast du auch das Gefühl, dass alles immer schneller und immer mehr wird? Jetzt fange ich auch schon so an: „früher…“. Nun, der Vorteil ist, wer von Euch im mittleren Alter ist, kennt die Zeit vor ca. 20 Jahren noch. Die Zeit, in der noch nicht jeder E-Mail und ein Smartphone hatte. In der Zeit, wo echte Briefe per Post (Briefträger) von Sender zum Empfänger gebracht wurden. Die Zeit meine ich.

Kurzer Rückblick

Damals gingen die Uhren wesentlich langsamer. Natürlich war die Produktivität damals nicht so hoch wie heute. Einen Strich auf einer Zeichnung weg zu kratzen und mit Tusche neu zu ziehen, dauert na klar länger, als in AutoCAD schnell klick-klick. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir damals Fotos gemacht hatten. Mit Film entwickeln und so.

Warum lachen wir über folgende Sprüche

  • Früher konnte ich mit meinem Nokia mit 25% Akku noch 5 Tage telefonieren und Snake spielen. Heute traue ich mich mit 25% kaum noch aufs Klo.
  • Damals waren auf einem Film mit 24 Fotos 6 gute dabei. Heute schiessen wir 1800 Fotos und es sind auch: 6 gute dabei.
  • Früher zog ich die Turnschuhe an und ging laufen. Heute: spezielle Laufklamotten, GPS Tracker, Pulsgurt, In-Ear-Lautsprecher, Handschuhe, Laufjacke, ergonomische Laufschuhe, ….

Ist alles komplizierter geworden?

Eigentlich nicht. Es sind schon viele Dinge einfacher geworden und besser. Ich freu mich jedes Mal wie ein kleines Kind, dass meine Heizung weiss, dass ich nicht zu Hause bin. Dann schaltet sie runter. Damit wurde mir etwas abgenommen. Das ist na klar gut, denn es ist aus meinem Kopf.

Wir machen den Segen zum Fluch

Bei E-Mails verhält es sich allerdings umgekehrt. Natürlich ist es super, dass man heute schnell ein Schreiben samt Anhang ans andere Ende der Welt schicken kann. Aber so einfach das eben ist, wurde diese Technologie zur Flut.
Na klar ist WhatsApp spitze, um sich abzustimmen: was, wann, wo abgeht. Und was sehen wir in Zug oder Bus? Jugendliche, die sich z.T. nebeneinander sitzend über WhatsApp unterhalten.

Könnnen Menschen mit Technisierung nicht umgehen?

Nun ja: Ja. Können wir nicht wirklich. Jedes Mal, wenn unser Smartphone piepst, erhalten wir einen Glückshormon-Kick und müssen nachsehen, um gleich den nächsten abzuholen. Im Prinzip hilft da nur: stumm schalten.
Ich kann der Versuchung nachzusehen auch nicht widerstehen. Habe alles stumm geschaltet, was geht. Komme sonst vom Stoff nicht weg. Dass meine Reaktionszeit darunter leidet, ist schon aufgefallen. Aber wenn du das machst, wirst du merken, dass sich deine Umwelt darauf einstellt.
Du sagst „kein Problem für mich“ – ok, Kompliment. Kurze Gegenfrage: du bist offline aufgewachsen, oder? Aber droh mal deinem Kind damit, sein Smartphone für 1 Woche weg zu nehmen. Oder auch nur einen Tag.

Gegenmaßnahme: mach mal Pause

Du kannst leider nicht alles in deinem Leben stumm schalten, was du willst. Was du aber machen kannst, ist aktiv zu Entspannen und regelmäßig eine Pause zu machen. Unsere Körper brauchen das, um wieder Kraft zu tanken: physisch und psychisch.

Die 4-7-8-Atmung für dich

Jetzt bin ich nicht so der Typ für Meditation und so, also habe ich mich auf die Suche nach einer richtig effektiven Entspannungsübung gemacht. Nur einer. Fündig geworden bin ich bei der uralten Raja-Yoga-Atemübung, Pranayama, der 4-7-8-Atmung. Populär gemacht durch Dr. Andrew Weil.

Die 4-7-8-Atmung

Bevor du beginnst, berühre mit deiner Zungenspitze deinen Gaumen. Direkt hinter den oberen Schneidezähnen. Dort bleibt deine Zungenspitze während der gesamten Übung. Dann gehts los.
Atme vollständig und hörbar (woosh) aus.
  1. Mund schließen und lautlos durch die Nase einatmen
    zähle auf 4
  2. Atem anhalten
    zähle auf 7
  3. Hörbar (woosh) mit leicht gespitzten Lippen ausatmen
    zähle auf 8
Und wieder von vorne. Dr. Weil empfiehlt diese Übung mit 4 Wiederholungen zu machen und das zweimal am Tag. Die Wirkung ist Entspannung pur und hilft dir schnell einzuschlafen.

Wirkung der 4-7-8-Atmung

Die Übung wirkt wie ein Beruhigungsmitel direkt aufs Nervensystem und soll Anspannungen und auch Verspannungen lösen. Einschlafen funktioniert damit perfekt! Denn, was diese Übung macht, ist den Geist zu beruhigen – und zwar an der messbaren Veränderung deiner Hirnwellen.
Wirkt wie eine beschleunigte Meditation
Genau das richtige für mich. Schnelle Erfolge mit wenig Aufwand. 😉

Notfall-Entspannung vor anderen

Manchmal kommen wir in eine Situation, in der wir nicht mal eben die 4-7-8-Atmung machen können. Das sind die Situationen, in denen nicht Etwas sondern Jemand dich stresst. Irgendjemand regt dich auf, greift dich an oder sagt etwas zu dir, das dich stresst. Durchatmen.

Die SSBB-Entspannung

Diese Übung ist perfekt für: eigentlich jede Stress-Situation. Auch dann, wenn eine Antwort oder Reaktion von dir erwartet wird – du also wenig Zeit für eine Pause hast.
SSBB = Stop-Smile-Breathe-Be
  1. Stop – Stoppe mit allem, auch Denken
    Und vor allem damit, wie aus der Kanone geschossen zu antworten. Es steht nirgends geschrieben, dass du dir nur 0,17 Sekunden Zeit nehmen darfst, um eine Antwort zu geben. Sag nichts.
  2. Smile – Lächle
    Aber richtig, sodass deine Mundwinkel nach oben gehen und deine Augen auch lächeln. Halte diesen Gesichtsausdruck.
  3. Breathe – Atme bewusst
    Atme tief in den Bauch, so tief wie du kannst und versuche den Luftstrom zu verfolgen.
  4. Be – Sei
    Nun, hier gibt es mehrere Interpretationen davon, wie man einfach SEIN kann. Meine ist: Spüre deinen Körper oder zumindest Teile davon. Wenn deine Hand z.B. auf dem Tisch liegt, konzentrier dich darauf, wie sich das anfühlt.
Fertig? Jetzt kannst du getrost antworten.

Wirkung der SSBB-Atmung

Was du durch die SSBB-Atmung machst, ist nichts anderes, als Stummi (Unterbewusstsein) abzulenken und zu beruhigen. Während dieser Pause, flachen die ersten Tobsucht-Emotionen ab und du fängst wieder an klar zu denken.
Mit der SSBB-Atmung kannst du Situationen und vor allem Reaktionen vermeiden, auf die du später mit Reue zurückblickst. Kein „Wie konnte ich das sagen, ich verstehe mich selbst nicht“ mehr.

Zusammenfassung

Stress ist allgegenwärtig und stumm schalten ist eine Möglichkeit damit umzugehen. Es lässt sich aber nicht alles stumm schalten und vor allem nicht jeder.
  • Gönne dir jeden Tag zweimal die 4-7-8-Atmung (1 min) für tiefe Erholungsphasen und schnelles Einschlafen.
  • Und in Situationen, die diese eine Minute nicht möglich machen: Nutze die SSBB-Atmung, um schnell ungewünschte Emotionen beherrschbar zu machen.
Stop – Smile – Breathe – Be
Sag und denk nichts – Lächle – Atme tief ein – Fühle deinen Körper