Wie können Glückshormone egoistisch sein? Nun, diese beiden sind es. Um eine Ausschüttung von Endorphin oder Dopamin zu bekommen brauche ich absolut niemanden dazu. Es bedarf keiner Interaktion mit anderen Menschen. Was also, kann ich tun, um diese Glückshormone zu bekommen?

Endorphin hat eine einzige Aufgabe: Schmerz zu tarnen, was an seiner morphinähnlichen Wirkung liegt. Manche kennen das vom Laufen (Runner’s high). Wir bringen uns an unsere körperlichen Grenzen und es fühlt sich gut an – also rennen wir weiter. Eine Stunde später, wenn das Endorphin nachlässt, tut uns alles weh.

Endorphin lässt uns durchhalten

Dieses Hormon soll unsere Ausdauer steigern und ist ein Grund, warum wir als Menschen überlebt haben. Wir sind nicht die Stärksten oder Schlausten – aber wir haben nicht aufgegeben. Stundenlang konnten wir unserem Essen nachjagen und Spuren folgen. Hatten wir dann endlich unsere Beute aufgespürt und erlegt, gaben wir nicht vor Erschöpfung auf. Nein, wir haben es sogar noch den ganzen Weg zurück zu unserem hungrigen Stamm gebracht, um zu überleben.

Endorphin

Heute gehe ich in den nächsten Supermarkt (mit dem Auto) und hole mir meine Beute wann immer ich will. Das heisst: Endorphine bekommen wir heute nur durch Sport oder beim Lachen. Wenn wir so richtig lachen schütteln wir unsere Innereien ganz schön durch und es fließen auch Endorphine.

Erreiche ein Ziel und du bekommst Dopamin

Dopamin wird ausgeschüttet, wenn man Ziele erreicht oder etwas findet. Wir kennen das von unserer ToDo Liste, wenn wir was erledigt haben und es dann durchstreichen: fühlt sich gut an. Das ist Dopamin. Oder wir finden endlich etwas, was wir gesucht hatten.

Dopamin funktioniert mit allem was wir sehen können

Unser Gehirn reagiert auf den Input unserer Sinne. Was wir sehen können, kann von Stummi verarbeitet werden und mit der Ausschüttung von den entsprechenden Hormonen, wird unser Verhalten gesteuert. Ziele sollten also visuell gemacht werden. Schreib deine ToDo-Liste auf. Ist es ein größeres Projekt, mach kleine Arbeitsschritte daraus und setz diese auf eine Zeitlinie. Denn wir erhalten auch dann Dopamin, wenn wir sehen, dass wir Fortschritte machen.

Es funktioniert allerdings nicht mit abstrakten Zielen. „Das Ziel für nächstes Jahr ist mehr.“ Wieviel mehr? Was mehr? „Mehr.“ Konkrete und visuell vorstellbare Ziele sind vor allem wichtig bei der Formulierung der Unternehmensvisionen: „Wir wollen besser werden und ein respektiertes Unternehmen sein.“ Besser als wer, respektiert von wem? Meiner Mutter? Funktioniert nicht. Es muss sichtbar und greifbar sein.

Dopamin

Dopamin hat eine Schattenseite

Es ist hochgradig suchterzeugend. Die Dinge, die auch Ausschüttung von Dopamin erzeugen sind: Alkohol, Nikotin, Drogen, Spielsucht, unser Handy und Social Media. Ihr schmunzelt gerade? Wenn wir morgens aufstehen und an den ersten Schluck denken, sind wir vielleicht Alkoholiker. Dasselbe mit dem Handy. Wenn wir morgens aufstehen und der erste Blick auf das Handy geht, sind wir vielleicht abhängig. Wir fahren im Auto, 10 min vom Ziel entfernt und es macht Bing? Ist euch schonmal passiert? Mir auch und ich kann der Versuchung kaum widerstehen, gleich nachzusehen oder gleich zu antworten. Es ist das „Bing“ das uns süchtig macht – das ist der Auslöser.

Auch Essen schüttet Dopamin aus – darum machen wir das auch so gerne. Schließlich geht es unserem Körper immer um das Überleben. Der Natur war bei der Installation nur nicht bewusst, dass wir irgendwann im Überfluss von Essen und Genussmitteln leben.

Aber warum macht Dopamin eigentlich süchtig? Es gibt uns einen Kick, der relativ schnell wieder nachlässt. Das Gefühl hält nicht lange an, was dazu führt, dass wir nach dem nächsten Kick streben. Dopamin ist folglich kurzfristig und kann eine Abhängigkeit erzeugen. Um dies zu verhindern, hat uns die Natur zwei nachhaltige Hormone mitgegeben: Serotonin und Oxytocin.

Zusammenfassung

Die Glückshormone Endorphin und Dopamin kann ich mir jederzeit ohne andere Menschen holen: ich gehe laufen und erledige Punkte auf meiner ToDo-Liste. Aber die Natur hat sich etwas bei der Ausschüttung gedacht, denn diese beiden Hormone halten nicht lange an. Sie sind wichtig in der Führung von Menschen, um das Vorankommen und die Weiterentwicklung zu sichern ( Gute Chefs essen zuletzt: Warum manche Teams funktionieren – und andere nicht).

Im Zusammenleben mit anderen Menschen geht es der Natur vorrangig um das Überleben und darum hat die menschliche Biologie ein Gleichgewicht der Hormone geschaffen. Neben den egoistischen Hormonen für den kurzen Kick, gibt es die beiden selbstlosen Hormone Serotonin und Oxytocin. Ihre Aufgabe ist, Kooperation und Nachhaltigkeit zu erzeugen, denn deren Hormonspiegel baut sich auf, hält an und sorg so für die Balance.