Was ich sage, ist immer gefärbt durch meine aktuelle innere Einstellung. In welcher Stimmung bin ich gerade? Was habe ich gesagt? Wie habe ich es gemeint? Wie hat es der Andere verstanden? Die Kommunikation mit Anderen bietet also eine große Fülle an potenziellen Missverständnissen.

An erster Stelle: sich selbst verstehen

Genau damit beschäftigt sich die Transaktionsanalyse – mit dem Zusammentreffen von Menschen. Jede Transaktion ist die ganzheitliche Begegnung mit anderen Menschen: verbal und nonverbal.

Die verbale Kommunikation ist das, was ich sage. Die nonverbale Kommunikation ist alles, was ich nicht sage und trotzdem kommuniziert. Diese nonverbalen Signale geschehen unbewusst und wirken oft stärker als meine gesagten Worte. Das sind z.B. Körpersprache, Mimik, Gestik oder der Blickkontakt.

Folglich steht hinter jedem gesprochenen Wort eine Einstellung, die sowohl Worte als auch Signale sendet. Diese Einstellung wird in der Transaktionsanalyse Ich-Zustand genannt. Ins Leben gerufen von Eric Berne.

Grundsätzlich ist jeder o.k.

Vorab der Grundsatz, der mir an dem Modell der Transaktionsanalyse so gut gefällt:

Ich bin o.k.
Du bist o.k.

In diesen beiden simplen Sätze steckt mehr als erwartet. Wenn ich diese Grundeinstellung verinnerliche, begegne ich jedem Menschen mit Wohlwollen, Respekt und Anerkennung. Folglich hat jeder Mensch recht – aus seiner Position und mit seiner Sichtweise.

Wir sind Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich

TA-Ebenen-01Die Transaktionsanalyse teilt uns in drei Ich-Zustände auf, zwischen denen wir je nach Situation unbewusst oder bewusst wechseln. Sie ist ein Modell, das hilft, Konflikte bzw. Kommunikationsstörungen zu verstehen und zu entschärfen.

Die drei Ebenen der Transaktion:

 

  • Eltern-Ich
  • Erwachsenen-Ich
  • Kind-Ich

Eltern-Ich

Jeder trägt in seinem Inneren seine Eltern mit sich herum.

Dieser Ich-Zustand hat den Hang zur Bevormundung und gibt Ratschläge. Wir reden anderen Dinge ein oder aus. Befinden wir uns im Eltern-Ich setzen wir uns über unseren Gesprächspartner.

Das kritische Eltern-Ich bemängelt, tendiert zum Besserwisser, kommuniziert Vorurteile und Urteile und versucht andere anzuleiten.

Das fürsorgliche Eltern-Ich ist hilfsbereit bis zur Selbstlosigkeit oder Selbstaufgabe, meint es gut, bemuttert und versucht pädagogisch zu leiten.

Typische Formulierungen

  • „Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass…“
  • „Was fällt dir ein!“, „Wie kannst du nur?“
  • „Du musst immer daran denken, dass…“
  • „Wenn ich du wäre, dann…“
  • „Schon wieder?“, „Menschenskind“
  • „Na, na!“, „Nein und nochmals nein!“

Typische Körpersprache

  • Stirn in Falten legen
  • Zeigefinger (Lehrfinger)
  • spitze Lippen
  • Seufzen
  • väterliche Umarmung
  • Schulterklopfen

Erwachsenen-Ich

Unser Erwachsenen-Ich ist sachlich, rational und objektiv. Dieser Teil unserer Persönlichkeit nimmt Daten und Fakten auf, analysiert, speichert und hilft Entscheidungen zu treffen.

Körpersprachlich ist dieser Ich-Zustand wenig auffällig – eher neutral. Im Erwachsenen-Ich hören wir dem Gesprächspartner mit einem offenen und zugewandten Gesicht zu.

Der Wortschatz ist sachlich und rational. Die innere Reife führt zu einer respektvollen und konstruktiven Kommunikation.

Das Erwachsenen-Ich erkennt man an wertenden Aussagen (richtig, falsch, wahrscheinlich), Einschätzungen wie „ich denke“, „ich finde“, etc. oder offenen Fragen: Wer? Wo? Wie? Was? Warum?

 

Kind-Ich

Wir tragen nicht nur unsere Eltern in uns sondern auch das Kind, das wir einmal waren. Ungefiltert will es seine Bedürfnisse, Triebe, Gefühle und das „Haben- und Tun-Wollen“ ausleben.

Das Kind-Ich ist laut, albern, trotzig, schüchtern und unsicher. Es besitzt Phantasie, Neugierde, Lerneifer, Spontaneität, Sexualität und einen natürlichen Spieltrieb.

Das freie Kind-Ich lebt seine Natürlichkeit und Gefühle frei aus und kennt keine Moral oder Regeln. Dies geschieht ohne bösartige Absicht. Es ist die freie unbeschwerte kindhafte Art.

Das angepasste Kind-Ich zieht sich weinend (sinnbildlich) zurück. Das ist die emotional geduckte Stellung. Die Spontaneität geht verloren und wir werden zum schüchternen und unsicheren Kind.

Typische Formulierungen

  • „Ich will…“, „Ich will nicht…“,
  • „Ich habe keine Lust/keinen Bock auf…“
  • „Ist mir doch egal!“
  • „Wenn ich erwachsen/groß bin, dann…“
  • „geil“, „super“, „cool“, „wow“, usw.
  • Superlative wie beste, größte, geilste, etc.

Typische Körpersprache

  • Weinen, Schmollen, Wutanfälle
  • Achselzucken
  • Kichern, Lachen
  • Grimassen, Zunge rausstrecken
  • Betteln
  • Rollende Augen

Positive und negative Auswirkungen der Ich-Zustände

Keiner der Ich-Zustände ist gut oder schlecht – entscheidend ist die Situation. Um den optimalen Ich-Zustand auszuwählen, sind folgende Auswirkungen hilfreich:

 

 

Positiv

Negativ

Kritisches Eltern-Ich Kann in Notsituationen schnell entscheiden

Übernimmt Verantwortung

Hält sich an Normen und Traditionen

Unterdrückt andere

Intolerant und starrköpfig

Rechthaberisch

Wütend und ärgerlich

Lehnt neues ab

Fürsorgliches Eltern-Ich Geduldig

Verständnisvoll

Gibt Trost und Geborgenheit

Ist zu Opfern bereit

Erdrückt andere mit Zuvorkommenheit

Traut anderen wenig zu, macht alles lieber selbst

Erwachsenen-Ich Sammelt Informationen

Geht der Sache auf den Grund

Problem- und Lösungsorientiert

Nicht konfliktscheu

Aktiv, offen, selbständig

Mangel an Emotionen

Wirkt kalt, fade und langweilig

Unnatürlich und roboterhaft

Freies Kind-Ich Kann begeistern, reißt andere mit

Kreativ, phantasievoll, witzig und spielerisch

Kann genießen, ist spontan und charmant

Wirkt ungestüm, unkontrolliert

Leichtsinnig, rücksichtlos und übernimmt keine Verantwortung

Impulsiv und flippt gerne aus

Angepasstes Kind-Ich Nimmt Rücksicht auf andere

Ist kompromissfähig, bescheiden und diplomatisch

Wirkt ängstlich, unterwürfig und überangepasst

Resigniert schnell

Hat Angst etwas falsch zu machen

Zusammenfassung

Wir sind im jeweiligen Ich-Zustand blind und taub

Folglich sind bei jeder Unterhaltung und Interaktion diese drei Ich-Zustände beteiligt. Welche dieser drei gerade spricht, nehmen wir oft gar nicht bewusst wahr. Und genau darum geht es: zu wissen, wo wir uns gerade befinden. Nur dann können wir aktiv werden.

Denn in welchem Ich-Zustand wir auch immer sind: wir denken, fühlen und verhalten uns passend. Befinden wir uns im Eltern-Ich oder Kind-Ich, hören und fühlen wir nur, was zu den beiden Zuständen passt. Also sind wir taub und blind für sachliche Argumente. Diese können wir nämlich nur im objektiven Erwachsenen-Ich empfangen und verwerten.

Die wichtigste Erkenntnis der Transaktionsanalyse

Eines ist ganz wichtig: Die Transaktionsanalyse urteilt nicht.
Sie kennt weder gut noch schlecht weder richtig noch falsch.

Abhängig von der jeweiligen Situation ist natürlich ein bestimmtes Kommunikationsverhalten wirksamer als ein anderes. Jeder Ich-Zustand hat vor- und nachteilige Auswirkungen und kann zu einem besseren oder schlechteren Ausgang führen.

Es gilt also: die Situation bestimmt den produktivsten Ich-Zustand. Und genau den passenden Zustand bewusst einzunehmen ist die Kunst. Denn Wirksamkeit entsteht in der Interaktion der Ich-Zustände.

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