Fühlst du dich auch manchmal wie in einem Hamsterrad? Es dreht sich, ob du willst oder nicht. Und als Depp vom Dienst, setzt du immer wieder einen Fuß vor den anderen und treibst es damit weiter an.

Ausbeutung, Überarbeitung und infolge Burnout trifft meist nur die Fleißigen unter uns, die sich abrackern und schuften bis zur Erschöpfung. Martin Wehrle gibt in seinem Buch Bin ich hier der Depp? den Anstoß, inne zu halten und darüber nachzudenken, ob du zu den ausgebeuteten Hamstern (Deppen) gehörst.

Rekordgewinne durch fleissige Mitarbeiter

Täglich dreht sich das Hamsterrad der Unternehmensumsätze und wird angetrieben von DIR. Du übernimmst Extra-Aufgaben, leistest bereitwillig Überstunden und bringst fleissig deinen vollen Einsatz. Danke: Die Gewinne der Unternehmen steigen und steigen – doch profitierst du in gleichem Maße davon?

Gepflogenheiten der Ausbeutung

Ich möchte nicht sagen, dass alle Unternehmen so agieren, doch durch steigenden Wettbewerbsdruck, verbreiten sich folgende unethischen Gepflogenheiten immer mehr:

  • Verweigern von angemessenene Lohnsteigerungen
  • Stellenabbau
  • Befristete Verträge
  • Überstundenanforderungen

Und lass dich nicht Ablenken durch das freundliche Gesicht der Ausbeutung, wie ein Tischkicker oder das Fitnesstudio. Auch die Firmenkita ist nur eine tolle Erfindung, dich länger am Arbeitsplatz zu halten. Ein ganz gefährliches Instrument ist bei global agierenden Unternehmen das Firmenhandy, das privat genutzt werden kann.

Erholung und Abschalten: Fehlanzeige

Das Hamsterrad hat viele Gesichter und bringt zunehmende Arbeitsbelastungen mit sich, die mehr und mehr in die Freizeit ragen. Die Überschneidung wird immer größer und am Ende des Tages arbeiten viele – wenn auch nur im Kopf – den Großteil ihrer Wachzeit. Ganz ungesund wird es, wenn sogar der Schlaf dadurch gestört wird.

Zur Hamsterrad-Kultur gehört auch, dass permanent Multitasking erwartet wird – also viele Dinge gleichzeitig erledigt werden sollen. E-Mails, Meeting und endlose ToDo-Listen. Am besten alles sofort erledigen. Jede Unterbrechung führt zu Unproduktivität und verschlimmert die Situation. Gloria Mark hat in Ihrem Experiment Büroangestellte alle 11 Minuten unterbrochen. Im Schnitt dauerte es 8 Minuten, bis die Probanden wieder in die Arbeit fanden. Macht genau 3 Minuten konzentrierte Produktivität.

 

Das Hamsterrad sehen

Manchmal erkennst du die Zeichen nicht so leicht. Wir sind oft so getrieben von dem Druck und unserem eigenen Verantwortungsgefühl. Das muss heute auf jeden Fall noch fertig werden. Den möchte ich nicht im Stich lassen. Das muss ich richtig machen. Was auch immer wir denken – in welchem dieser Sätze geht es um dich?

Bist du ein Depp im Hamsterrad?

Ein kleiner Test für dich. Bewerte jede der folgenden vier Aussagen mit 1-5 Punkten. Ein Punkt bedeutet „stimmt genau“, fünf Punkte bedeuten „stimmt gar nicht“:

  1. Die Arbeitszeit ist zu knapp, um meinen Job zu erledigen. Ich mache oft Überstunden, führe in meiner Freizeit berufliche Telefonate und checke dienstliche E-Mails. Weil ich so viel zu tun habe, kann ich nicht alle meine Urlaubstage nehmen.
  2. Trotz guter Leistung ist mein Arbeitsplatz unsicher. Mein Gehalt steigt nicht im gleichen Verhältnis wie die von mir erwarteten Leistungen. Das Arbeitsklima ist sehr wettbewerbsorientiert. Krankschreibungen sind nicht gern gesehen. Insgesamt lastet sehr viel Druck auf mir.
  3. Sowohl mein Chef als auch meine Kollegen schieben gerne Arbeit auf mich ab. Die Lorbeeren ernten dann aber meist die anderen. Ich kann nicht Nein sagen und fühle mich oft ausgenutzt.
  4. Nach der Arbeit fühle ich mich häufig schlapp, ich kann schlecht schlafen und werde öfter krank. Die Beziehung zur Familie und zu Freunden leidet.

Auswertung

Zähle deine Punkte zusammen und du erhältst dein persönliches Maß an Ausbeutung:
4-8 Punkte: Du bist der Depp vom Dienst. Wenn du so weitermachst, droht bald das Burn-out.
9-12 Punkte: Du bist an der Grenze zum Deppen. Du arbeitest zu viel, der Ausgleich kommt zu kurz.
13-14 Punkte: Dir gelingt ein guter Kompromiss zwischen Arbeit und Freizeit. Du kennst deine Grenzen und überschreitest sie nicht.
15-16 Punkte: Du bist beneidenswert. Du hast deine Arbeit im Griff, nicht umgekehrt.
17-20 Punkte: Glückwunsch, offenbar hast du deinen Traumjob!

 

Sag Nein zum Hamsterrad

Viele unserer Glaubenssätze entstehen in der Kindheit. Und Glaubenssätze wie „Ich möchte den Erwartungen meines Chef/meiner Kunden/meiner Kollegen gerecht werden“ bekommen durch die Angst um den Arbeitsplatz noch einen richtigen Verstärker. Viele arbeiten sich den A… ab – für andere.

Wo bleibst du?

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie wohl dein Arbeitsvertrag mit dir selbst aussehen könnte? Was würde da drin stehen? Bestimmt keine Überstunden und deine Urlaubstage würdest du voll ausschöpfen. Zusätzlich Projekte am Wochenende erledigen: vermutlich eher nicht.

Und die Pointe ist: das steht auch gar nicht in deinem Arbeitsvertrag – doch du machst es trotzdem.

 

Lerne, Nein zu sagen

Vielen von uns fällt es schwer „NEIN“ zu sagen und hinterher ärgeren wir uns. Und glaube mir: Aussagen wie „eigentlich nicht“ oder „eher nicht“ helfen dabei nicht. Das ist schon ein indirektes Ja.

Streiche das Wort „EIGENTLICH“ aus deinem Wortschatz

Das Wort ist überflüssig. Entweder du sagst Ja oder Nein. Es gibt kein „eigentliches Nein“. Und je öfter du das Wort Nein verwendest, umso stärker wird dein Selbstbewusstsein. Stummi hindert dich daran, Nein zu sagen, aus Angst vom Gegenüber nicht geliebt (geschätzt, bewundert, …) zu werden. Doch wenn du Stummi sehen lässt, dass nichts Schlimmes nach dem Nein passiert, steigt dein Selbstbewusstsein und es fällt dir immer leichter.

Du verlierst auch die Anfälligkeit für Schmeicheleien, wie „Sie sind doch meine beste und fähigste Mitarbeiterin“. In dem Fall: Sag zuerst Danke und dann Nein. Lass dich niemals drängen und nimm dir notfalls eine Nacht, um darüber zu schlafen.

 

Zusammenfassung

Viele Angestellte werden in den Unternehmen verheizt durch zu viel Arbeit für viel zu wenige. Ob es zu wenige sind oder aus Einspargründen die falschen Mitarbeiter – die Folge ist immer die Gleiche: Fleissige Mitarbeiter werden mit Arbeit überhäuft und zu Überstunden getrieben.

Es sind immer die Gleichen, die sich ein lustiges Leben machen und immer die Gleichen, die als Depp im Hamsterrad landen.

Lerne Nein zu sagen und hole dir deine wohlverdiente Freizeit und Erholung zurück. Zeit mit Familie oder Freunden und nicht mehr schlaflose, kurze Nächte. Mach innerlich einen Arbeitsvertrag mit dir selbst und halte dich daran. Deine Gesundheit ist viel zu wichtig.