Das Smartphone begleitet viele von uns permanent: Es füllt Pausen in unserem Tag, unterhält uns und schreit nach unserer Aufmerksamkeit durch die ständigen Pings. Hat uns die Technologie womöglich schneller eingeholt und abhängig gemacht, als die Entwicklung einer Etikette für dessen Umgang?

Eine Etikette für das Smartphone? Braucht es vermutlich nicht, wenn wir uns hin und wieder Gedanken darüber machen, wie wohl der selbstverständliche Gebrauch auf unsere Umwelt wirkt.

Schleichende Abhängigkeit vom Smartphone

Viele Menschen sind schon derart abhängig von Ihrem Smartphone, dass sie sich nicht mehr vorstellen können länger als eine Stunde ohne zu sein. Das geht so weit, dass in einer Umfrage von 2013 (Mobile Consumer Habits study) sogar 12% zugegeben hatten, das Smartphone in der Dusche zu benutzen.

Du lachst? Aber vielleicht kennst du doch jemanden oder es ist dir selbst schon passiert: Du stehst unter der Dusche und es macht Ping. Schaust du vielleicht doch mal nach?

Es geht kaum mehr ohne

Kannst du ohne Smartphone das Haus verlassen? Fällt mir echt schwer. Die Umfrage von SecurEnfoy ergab, dass 70% der Frauen und 62% der Männer richtiggehend Angst verspüren, wenn sie von ihrem Smartphone getrennt werden.

Permanente Ablenkung und Konzentrationsschwäche

Wer permanent sein Smartphone checkt, trainiert sein Gehirn auf diesen Stimulus. Immer auf der Suche nach einem neuen Kick. Wann auch immer ein Ping ertönt, wird zwanghaft nachgesehen. Wenn du das anfängst, schaffst du eine Gewohnheit, die viele Nachteile mit sich bringt.

  • Abhängigkeit vom Smartphone wird gepflegt
  • News-kick-Sucht wird fix programmiert
  • Aufmerksamkeitsspanne sinkt dramatisch
  • Langeweile nimmt zu

Das Gemeine bei jeder Sucht ist, dass die Abhängigkeit sich langsam in dein Leben schleicht. Es überhaupt zu bemerken, war für mich nur möglich, weil ein guter Freund die richtigen Worte gefunden hatte. Solche, bei denen bei mir nicht gleich das Gegenangriff- oder Verteidigungsprogramm angesprungen ist.

 

Regeln für die höfliche Smartphone-Nutzung

Vielleicht wäre es doch ganz sinnvoll eine Smartphone Etikette aufzustellen. Dies gilt vor allem dann, wenn wir in Gesellschaft anderer sind.

Sei 100% da für dein Gegenüber

Stell dir vor, du sitzt einem guten Freund gegenüber und der unterbricht die Unterhaltung permanent, weil er sein Smartphone checken muss. Wie geht es dir dabei? Es wirkt unglaublich unhöflich, oder. Vielleicht denkst du sogar, dass du ihn langweilst. Offensichtlich scheint die Unterhaltung nicht so interessant zu sein, wie das, was auch immer auf seinem Smartphone passiert. Abgesehen von der puren Unhöflichkeit, kann sich so kein vernünftiges Gespräch entwickeln. Die permanente Ablenkung macht dies unmöglich.

Es hilft auch nicht, wenn das Smartphone mit dem Gesicht auf dem Tisch liegt. Sobald es in Sichtweite liegt, nimmt es ein Stück der Aufmerksamkeit weg. Und zwar von euch beiden.

Business und Smartphone

Es gibt inzwischen zig Studien darüber, wie negativ sich das Smartphone auf die Produktivität auswirkt. Und gleich vorweg: Nein, Menschen sind nicht multitasking-fähig. D.h. das Smartphone lenkt uns grundsätzlich von unserer Arbeit ab. Die Konzentration auf die Aufgabe ist weg und die Produktivität sinkt.

In Meetings: Auch wenn die Präsentation noch so langweilig ist, lass es, dein Smartphone zu lesen oder Mails zu erledigen. Du gibst dem Redner und allen anderen damit das Signal, dass es dich kein Stück interessiert. Und es macht es nicht besser, wenn du das unter dem Tisch machst.

In der Öffentlichkeit: Psssst

Kennst du die Funktion „auf Vibration stellen“? Manche kennen diese Funktion ihres Smartphones offensichtlich nicht. Sobald dein Smartphone in der Öffentlichkeit (Restaurant, Schlange bei der Post, etc) laut klingelt, reißt du alle um dich herum aus Ihrer Konzentration. Das Mindeste, was passiert ist, dass sie gestört werden.

Rücksicht auf andere zu nehmen, hat grundsätzlich viel mit Lautstärke zu tun. Nicht nur, dass lautes Klingeln stören kann, sondern auch Telefonieren vor anderen. Muss dieser Anruf im Supermarkt mit dem Kumpel wirklich sein? Lauthals durch die Gänge über die letzte Party sinnieren? Oder könnte der noch 2 Minuten warten?

 

Die Welt dreht sich weiter

Irgendwie hat sich diese Erwartungshaltung der ständigen Erreichbarkeit bei vielen Menschen eingeschlichen. Vor ein paar Jahren, ging es mir genauso. Ich hätte mir nicht vorstellen können, ohne mein Smartphone das Haus zu verlassen. Es war mehr wie ein weiteres meiner Gliedmaße. Und wer hackt sich sowas schon gerne ab.

Versklavung spürbar

Irgendwie findet man sich dann in einer mehr oder weniger starken Versklavung wieder. Es kommt eine Nachricht oder E-Mail und man denkt: Ich muss sofort antworten. Der Effekt wird einerseits verstärkt durch die Sucht nach dem News-Kick und andererseits durch den Wunsch geliebt zu werden. Im übertragenden Sinne natürlich, wie z.B. mein Chef sieht, dass ich so spät noch arbeite.
Ich selbst war nicht mehr in der Lage das selbst zu erkennen. Eigentlich hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, bis es mir gesagt wurde. Und siehe da, die Welt erwartet nicht, dass du innerhalb von 1 Minute antwortest.

Drum führe dich nicht in Versuchung

Wie kommt man also vom Stoff weg? Ich bin dazu übergegangen mein Smartphone grundsätzlich nicht nur auf Vibration zu stellen, sondern ganz still. Das bedeutet, dass ich Nachrichten oder Mails gar nicht mitbekomme. Ist viel leichter, der unbekannten Versuchung zu widerstehen, als beim Ping die Stärke zu haben, nicht nachzusehen.

 

Zusammenfassung

Permanentes Benutzen oder Checken des Smartphones trainiert schlechte Gewohnheiten: Unaufmerksamkeit, schlechte Konzentration und verkürzte Aufmerksamkeitsspanne sind nur einige davon. Du reduzierst automatisch deine empathischen Fähigkeiten, auf andere einzugehen.

Abgesehen davon, was es mit uns selbst macht, ist die Benutzung des Smartphones anderen gegenüber oftmals einfach unhöflich oder sogar eine Belästigung. Sobald du dein Smartphone benutzt sendest du das Signal: Alles und alle anderen um dich herum sind unwichtiger.

Mir ist klar, dass wir manchmal auch nur aus Langeweile auf unser Smartphone schauen. Wir sitzen in der Kneipe und unsere Begleitung geht auf die Toilette. Versuch mal was ganz Verrücktes: Greif nicht gleich nach dem Smartphone sondern bleib einfach nur sitzen und schau dich um. Mach nichts und beobachte, was mit dir passiert.